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		<title>Kathrins Notiz-Blog 18. Januar 12</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Jan 2012 11:03:58 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Vor ein paar Tagen ist Leon wieder nach Amsterdam gefahren. Es kommt mir vor, als würde ich ihn abstoßen wie eine enge, alte Haut.

Jetzt breite ich mich in der beruhigten, warmen Wohnung im grünen Schatten unseres Wandschirms auf dem Bett aus und schaue in die Sonnenflecken auf den Dielen. Ich rufe Kolja an. Er meldet sich aus dem Büro. Wir wünschen uns ein gutes Jahr. Ich wünsche seiner ganzen Familie ein gutes Jahr und erschrecke über die Selbstverständlichkeit, mit der mir dieser konventionelle Gruß über die Lippen kommt. Ich habe Kolja nie nach seiner Frau gefragt. Seine Frau interessiert mich nicht. Aber als ich meinen Worten nachlausche, spüre ich, dass sie ehrlich gemeint sind. Ich möchte sie nicht verdrängen, die Mutter-Vater-Kind-Ordnung, in der Kolja lebt, niemals zerstören. Ich bin nicht einmal eifersüchtig, nur etwas neidisch, nicht auf seine Frau, aber auf Kolja.

„Wie bist du ins neue Jahr gekommen?“ frage ich.

„Zum Gähnen langweilig. Wir hätten uns treffen sollen.“ Er lacht. Dieses übermütige Lachen stört mich.

„Was machst du gerade?“, fragt er.

„Nichts.“

„Komm doch vorbei!“

„Ich komme nur, wenn du Arbeit für mich hast“, sage ich.

„Ach so läuft das jetzt?“

„Ich brauche deine Hilfe. Ich will etwas Geld verdienen, um unabhängiger von Leon zu sein.“

Er macht ein anerkennendes Geräusch.

„Kann ich auf dich zählen?“

„Natürlich“, sagt er. Seine Zusage beruhigt mich auf der Stelle. Ich weiß jetzt, dass mir nichts Schlimmes passieren kann und schäme mich ein bisschen dafür, dass ich so kleinlich war, zu glauben, er könnte mich wegen seiner Familie im Stich lassen.

„Ich habe wahrscheinlich etwas für dich“, sagt er. „Bin gerade am Verhandeln. Wollen wir uns treffen und darüber reden?“

„Warum nicht?“ Ich muss mich beherrschen, um nicht in Jubel auszubrechen. Mein Leben geht also weiter. Es bleibt nicht an der Garagenmauer hängen, sondern klettert darüber hinweg in den Nachbarsgarten, fliegt über die kleine Straße, anschließend die Schönhauser hinauf, direkt in Richtung Meer.

Nach dem Treffen mit Kolja muss ich Leon von meinem neuen Auftrag berichten. Ich werde mehrere Familien, die eine Baugemeinschaft gegründet haben, bei der Einrichtung beraten. Das sind Berliner Familien, die aufs Land ziehen. Im Sommer wird ihr Haus fertig. Aber Leons Telefon ist ausgeschaltet. Ich probiere es wieder und wieder. Wo ist er?

Ich blicke hinaus in die Nacht und habe das Gefühl, dass die Straße meines Lebens, die vorhin noch zum Meer führte, kurz vor dem Ziel ins Niemandsland abschweift, in ein spießiges Nest zwischen Wiesen und Feldern.

Wieso meldet er sich nicht?]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 3. Januar 2012</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 17:42:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Kurz vor dem Einschlafen, in der Phase zwischen Traum und Wachsein, beginnt der Lärm. Als ob ein Sack in meinem Kopf geöffnet wird und der ganze unbewältigte Kram hervorquillt. Gesprächsfetzen von dem Essen bei Jakobs Eltern am zweiten Weihnachtstag: Leon: „...Streubomben aus Ihren Spareinlagen...“ Jakobs Mutter: „...keine Alternative...“ Jolandas weist Leon barsch zurecht. Ihre Stimme hallt. Ich sehe den schmalen Esstisch mit der cremefarbenen Decke kippen, das Blümchenservice stürzt mir entgegen, die Gläser brechen. Plötzlich ist Kolja dort: „...wie lange denn noch...?“ Das Getöse reißt mich zurück ins Wachsein. Auf dieser Seite ist es ganz still. Leon atmet ruhig neben mir. Nichts ist passiert. Aber der Schlaf ist stark. Irgendwann zwingt er mich wieder durch den lauten Korridor. Was danach kommt, weiß ich nicht. Ich habe keine Erinnerung an den Schlaf, keinen Traum.

Beim Aufwachen am Morgen sind die Stimmen wieder da: Jolanda spricht schnell. Es sind andere Stimmen in dem Raum. Wahrscheinlich sind wir in einem Seminar. Leon flüstert: „...Liebling...“ Und dann ist es still. Leon flüstert: "Komm!" Er liegt dicht an mich gedrängt, umschlingt mich mit den Armen. Wie immer. Sein Penis küsst mich vorsichtig wach. Wie jeden Morgen. Es ist gar nichts passiert. Vielleicht kompensiert mein Kopf unser Schweigen mit dem Lärm. Wir sprechen in letzter Zeit zu wenig. Aber morgens beim Sex sind wir ehrlich zueinander. Die Heilige Nacht findet keinerlei Erwähnung. War wohl nicht der Rede wert.]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 28. Dezember 11</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 12:26:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Von meinem Platz im Küchenfenster halte ich den schmalen Lichtstreifen im Blick, der aus der angelehnten Garagentür fällt. Ich rechne eigentlich nicht mehr damit, dass die Tür sich in den nächsten Stunden öffnen und Leon erscheinen und hoch zu mir kommen und fragen wird, ob wir zusammen etwas kochen.

Heute ist Weihnachten. Ich habe den Tisch in der Küche aufgeräumt und eine rote Kerze darauf gestellt und ein paar Walnüsse ringsherum verteilt. Es könnte losgehen. Aber Leon feiert allein unten in der Garage. Er beschert sich selbst. In den letzten Tagen sind ein paar Fahrradrahmen aus den Achtzigern mit der Post aus Amsterdam eingetroffen. Ich habe geholfen, sie nach Hause zu tragen.

Im Fenster wird es kühl. Der Wind drückt gegen die Scheibe. Meine Füße sind kalt. Sie stecken in löchrigen Wollsocken. Ich könnte etwas Neues gebrauchen. Die rote Kerze auf dem Tisch brennt ruhig. Vielleicht würde es mir nichts ausmachen, wenn ich niemandes Frau wäre. Arbeiten könnte ich an diesem Abend wahrscheinlich nicht. Weihnachten bleibt etwas Besonderes in meinem Herzen, auch wenn ich die Art, wie die meisten es begehen, ablehne.

Es geht auf sieben. Ausgerechnet der Heilige Abend ist der längste des Jahres. Für die meisten beginnt er um sechs, einige fangen schon um fünf Uhr damit an.
Neben der roten Kerze liegt schwarz und flach mein Telefon. Jolanda ist mit Jakob zu seinen Eltern gefahren. Jakob hat richtige Eltern im passenden Elternalter, so um die Fünfzig, Vater und Mutter mit guten Berufen und einer richtigen Elternwohnung, in der man sich in ein Sofa lümmeln und den Fernseher anschalten kann.

Einmal haben Leon und ich in einem Geschäft vor einem Ledersofa gestanden und ernsthaft überlegt, aber dann schienen uns andere Dinge wichtiger.

Ich wähle Koljas Nummer. Er hält die Luft an, als ich sage, dass ich ihn gern sehen würde. Einen Moment lang höre ich nur die Laute in seiner Umgebung: Ellas Plappern und die Stimme von Koljas Mutter, wie dunkler Samt, dahinter Weihnachtsmusik. Koljas Frau höre ich auch, obwohl sie elfenhaft lautlos zwischen Küche und Esstisch hin und her huscht. Dann setzt Koljas Atem wieder ein. Er lacht. Er schlägt vor, sich in zwei Stunden im Büro zu treffen.

Ich schleiche ohne ein Wort an der Garage vorbei nach draußen. Die U-Bahn ist fast leer, die Straßen rings um das Architekturbüro wie ausgestorben. Viele Fenster sind dunkel. Jeder, der heute allein ist, verlässt sein Haus und drängt mit anderen Menschen um einen Tisch. Die Stadt wird komprimiert, der Energieverbrauch um mehr als die Hälfte reduziert. Mehr Liebe - das ist die Formel der Energieeffizienz.

Das Büro im ehemaligen Heizhaus ist grell erleuchtet. Durch die kahlen Forsythienzweige sehe ich Kolja in seiner Lederjacke am Monitor sitzen.
Er schließt die Tür auf, umarmt und küsst mich. Zu euphorisch. Ich winde mich frei.

„Du bist wirklich gekommen“, sage ich. „Wieso?“

„Man kann diesen Abend nur so verbringen.“

„Wie?“

Kolja zieht mich in der Taille an sich. „Mit dir. Mit einer Frau, für die man alles aufs Spiel setzt. Ich war so glücklich, als du angerufen hast.“

Er sieht blass aus. Oder liegt das am Neonlicht? Vielleicht hat ihn sein eigener Mut erschreckt. Ich spüre sein kaum sichtbares Zittern. „Liebst du mich?“ fragt er.

Ich schüttele den Kopf. "Nein."

„Wunderbar!“ Kolja schwingt mich im Walzerschritt bis zu seinem Schreibtisch. Er duftet nach Leder und einem frischen Parfüm. „Lass uns keine Zeit verlieren, ja?“ Er dreht mich weiter zu den Lichtschaltern, knippst sie im Vorbeitanzen aus. Es ist sehr dunkel. Hinter den Forsythien auf der anderen Hofseite leuchten einige Lichtpunkte in der Fassade, kleine Fenster, verziert mit Gardinen, Papier – und Strohsternen und Schwippbögen. Diese kleinen Fenster deprimieren mich jedesmal, wenn ich hier bin. So klein ist der Platz, den sich zwei Menschen teilen. So schnell sind sie vergessen. Wir werden ihre Geschichten niemals erfahren.

Mein Pullover sprüht beim Ausziehen Funken. Wir knistern beide. Koljas Hände lesen meine Haut wie seine Augen tags mein Gesicht lesen. Langsam werden unsere Umrisse in dem spärlichen Licht von draußen sichtbar. Koljas Zähne schimmern. Es ist seltsam, in diesem großen Raum nackt zu sein. Ich nehme Koljas Hand und lege sie auf die nackteste Stelle meines Körpers, wo kein einziges Haar mehr ist.

„Warum machst du das?“ fragt er.

„Gefällt es dir?“

Er antwortet nicht. Mit Kolja tut die Liebe nicht weh. Er ist kleiner und leichter als Leon. Er bricht nie in Schweiß aus. Er liebt mich wie er ein Buch liest. Er blättert langsam die Seiten um. Er bleibt aufmerksam und konzentriert, solange ich aufgeschlagen vor ihm liege.

Wir haben nichts in diesem Büro, nur Wasser aus der Leitung und Koljas Zigaretten. Also sitzen wir später, noch immer nackt, mit einem Glas Wasser und einer Zigarette auf dem Schreibtisch, die Füße auf der Heizung und blicken hinaus zu den Lebens-Lichtern.

„Jetzt sind alle schon fix und fertig vom Essen und Fernsehen.“ Kolja kichert. Leon, denke ich, wird irgendwann Hunger bekommen haben und rauf in die Wohnung gegangen sein. Er wird sich gewundert haben, wo ich bin. Ich habe das Telefon seinetwegen nicht ausgeschaltet. Ich möchte wissen, wann er anruft. Aber er ruft nicht an.

Zuerst hören wir Sting. „A soul cake, a soul cake, please, good misses, a soul cake, an apple, a pear, a plum or a cherry, any good thing to make us all merry, a soul cake, a soul cake....“ Wir springen umher. Später James Blake. „There is a limit to your love, like a waterfall in slow motion, like a map with no ocean....“ Ich halte Kolja, als wäre er der letzte Mensch, den ich treffe, am Ende der Welt. Gleich stürze ich vom Rand der Scheibe in das endlose Meer der Bedeutungslosigkeit. Die Computer hocken in der Dunkelheit wie stumpfe Tiere und sehen teilnahmslos meinem Ende zu. Die Lichter drüben erlöschen nach und nach. Die Leute gehen zu Bett. Wir kriechen in Koljas Schlafsack. Als wir uns endlich Ruhe geben, kann ich nicht einschlafen. Ich krieche nach draußen und suche in der Dunkelheit mein Telefon. Das Display leuchtet auf. Kein Anruf. Ich rauche noch eine Zigarette gegen den Hunger und blicke durch die große Scheibe in die Nacht, die jetzt nur noch von den Lichtern des Fernsehturms beleuchtet wird, die sich in den Wolken spiegeln.

Als ich am nächsten Tag nach Hause komme, ist der Lichtstreif aus der Garagentür genauso breit wie am Abend davor. Die Küche ist unberührt, ebenso das Bett. Ich lasse meinen Mantel im Flur fallen und gehe in den Hof, um zu schauen, ob Leon noch lebt. Von dem grauen Rasen aus höre ich Leon arbeiten. Er hat die Nacht also durch gemacht. Ich steige die Treppen wieder hinauf. Ich bin plötzlich müde. In der Badewanne presse ich mich so dicht wie möglich an den heißen Wasserstrahl. Kolja ist auf dem Weg zurück in die Märkische Schweiz, wo zwei Frauen mit einem festlichen Mittagessen auf ihn warten. Wir haben zusammen noch einen Kaffee getrunken, in dem Café vorn an der Ecke. Wir waren die einzigen Gäste.

Und Leon hat nicht einmal bemerkt, dass ich fortgegangen bin. Die Nacht hinterlässt keine Frage, nicht einmal die geringste Spur eines Zweifels.]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 8. Dezember 11</title>
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		<pubDate>Thu, 08 Dec 2011 18:46:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Ich habe schon jetzt dieses 1. Januar-Flattern. Es will nicht gemütlich werden um mein Herz. Die leeren Blätter des neuen Kalenders machen mir Angst. Wo werde ich leben? Was werde ich tun?

Vor ein paar Wochen hat Synne seine Wohnung in der Karl-Marx-Allee bezogen. Er war zufrieden mit meiner Arbeit. Er hat die Räume, die Kolja und ich gestaltet haben, mit großer Selbstverständlichkeit eingenommen, wie jemand, der an funktionierendes Personal gewöhnt ist. Vielleicht ist das ein gutes Zeichen, aber ich hatte etwas mehr Anerkennung erwartet.

Synne hat Kolja und mich zu einem Konzert in eine düstere, archaische Halle im Wedding eingeladen. Dort wurde eine seiner Kompositionen gespielt. Sie gefällt mir. Ich fand mich darin wieder. Synne hat meinem Anfang-Januar-Gefühl-mitten-im-Advent einen Klang gegeben. Es klingt, als ob hauchdünnes Glas in Zeitlupe zerbricht, so dass man zuschauen kann, wie die Splitter durch die Luft wirbeln. 

Sicher bin ich völlig unbegabt. „Was willst du denn? Wir haben unseren Job gemacht und er hat bezahlt“, sagt Kolja in der Pause. Er stützt sich mit dem Ellbogen auf der klebrigen Bar ab. Er trägt die Lederjacke offen und rollt nervös eine Zigarette in den Fingern. „Kommst du kurz mit raus?“

Das ehemalige Werksgelände ist verlassen. Durch die Lichtkegel der Lampen sprüht feiner Regen. Es ist kalt. Ich bibbere. Mein Mantel liegt drin, auf der Lehne des Plastikklappstuhls.

„Hast du den Birkenast im Fenster an Synnes Arbeitstisch gesehen?“

„Klar“, sagt Kolja.

„Ich habe ihn auf der Straße gefunden und mit geschleppt. Das hätte ich doch nicht tun müssen, oder? Unsere Arbeit ist doch ein bisschen mehr als ein Job...genauso wie die Musik. Synne möchte auch wissen, ob uns sein Stück gefallen hat. Wir sagen doch nicht: Er hat seinen Job gemacht und wir haben bezahlt.“

„Ist aber so“, sagt Kolja. „Von den meisten Leuten bekommt er kein Feedback, es sei denn, sie fanden es unmöglich. Man klatscht ein bisschen, steht auf und geht nach Hause.“

„Na komm, erstens wird unterschiedlich geklatscht und dann passiert da doch noch was. Man redet darüber, wenn man nach Hause geht.“

„Was geredet wird, hört er ja nicht. Der Künstler bleibt allein zurück“, sagt Kolja. „Wenn er Glück hat, geht jemand mit ihm essen. Wenn er noch mehr Glück hat, findet er in irgendeinem Blog eine Kritik. Das war’s.“

Kolja fand meine Arbeit gut, aber auch er sagt das ohne Begeisterung. Begeisterung scheint uncool zu sein. 

Ich bin sicher, Leon hätte den Birkenast auch mit geschleppt. Leon hätte ihn auch mit geschleppt, wenn er dreimal so schwer gewesen wäre. Aus purer Begeisterung über seinen Fund. Leon ist ungefähr so uncool wie ich. Er hätte Synne so lange von dem Ding geschwärmt, bis der wenigstens einen anerkennenden Pieps von sich gegeben hätte.

Kolja ist mir nahe, wenn er meinen Körper und mein Gesicht liest. Aber sobald er sich abwendet, reißt die Verbindung zwischen uns. Leon ist mir immer noch nicht fremd. Er ist immer noch mein Verbündeter. 

Aber jetzt: Der neue, saubere Kalender, die leeren Seiten, mit denen ich wieder nicht klar kommen werde, weil meine Schrift zu groß und zu chaotisch ist, die Ungewissheit, die vor mir liegt, gehalten in einer Struktur aus Monaten und Tagen, die ich mit Terminen füllen, die ich abhaken und sogleich vergessen werde, ein ganzes Buch voll Zeit, für die der weitere Verlust der Liebe vorausgesagt ist, die also nicht zählt. ]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 28. Oktober 11</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Oct 2011 09:05:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

„Ich kann jeden Tag eine andere Wohnung einrichten, aber nicht mein eigenes Leben.“

Koljas Mutter nickt mir zu mit einem Lächeln, von dem ich nicht weiß, ob es Anerkennung ist für die Wohnungen oder Gewissheit, dass ich das mit dem Leben auch noch hinbekomme. Ich sitze gleich links, wenn man in das Haus tritt, auf dem Sofa, unter den Büchern. Im Kamin glühen noch ein paar Holzstücke. Koljas Mutter trägt wieder das wollene Tuch mit den langen Fransen. Sie hat es fester um sich geschlungen im Laufe meiner Erzählung. Sie sitzt mir zugeneigt mit diesem freundlichen, konzentrierten Blick. Ihr kurzes, lockiges Haar ist vor den Ohrmuscheln zu akkuraten, spitz zulaufenden Locken geschnitten.

„Ich wollte Sie wiedersehen, weil ich glaube, dass Sie solche Gefühlszustände kennen“, sage ich.

Sie nickt. „Ich freue mich, dass Sie wiedergekommen sind.“ Sie hat Kaffee gekocht. Der Apfelkuchen, den sie dazu serviert, ist selbst gebacken.

„Ich verstehe Ihre Verunsicherung“, sagt sie. „Manchmal spürt man nur, dass etwas nicht stimmt, man will das nicht wahrhaben, man hört nicht auf das eigene Gefühl, man macht weiter...aber irgendwann weiß man, dass es Zeit ist zu gehen.“

„Wann?“

„Das ist schwierig. Manchmal wartet man zu lange.“

Wann ist ‚zu lange’?“

Sie schaut aus dem Fenster. Ihr Blick ist plötzlich nüchtern, fast kalt. Sie holt Luft. Dann kehrt sie schnell zurück, wieder freundlich. "Ist Ihnen warm genug?"

Ich nicke, aber sie steht trotzdem auf und wirft ein paar Holzscheite in den Kamin.

„Zu lange“, wiederholt sie. Sie schaut in das Feuer. „Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Sie tun auch richtig daran, auf die Liebe zu vertrauen, zu hoffen...an etwas zu glauben, das Sie miteinander verbindet. Tun Sie nichts überstürzt!“

Sie setzt sich wieder in den Sessel. Die Holzscheite krachen auseinander.

„Wenn man jemanden verlässt, verliert man so viele Dinge. Es ist, als ob man die Verankerung aus seinem Herzen fetzt“, sage ich.

„Denken Sie an sich. Passen Sie auf sich auf.“

Wie passt man auf sich auf, will ich sie fragen, aber ich schlucke die Frage hinunter.

„Vertrauen Sie Leon?“

„Ich weiß nicht...doch, ich glaube schon, in dem Sinne, dass er mir nichts vormacht. Aber er ist nicht gerade der Sicherheitsfaktor meines Lebens, falls Sie das meinen.“

„Es wäre gut, wenn Sie irgendwo etwas Ruhe finden könnten, einen Platz für sich“, sagt Koljas Mutter. „Einen Raum, in dem sie beginnen, aufzuräumen, zuerst Ihren Kopf, danach Ihr Herz, so lange, bis Sie sich völlig bei sich fühlen.“ Als sie das sagt,fühle ich mich wieder wie als Teenager, unbehauen, mit diesem naiven Ausdruck,  für den ich mich schämte und dann rutschten mir die Lippen aus wie kurz vor dem Weinen und ich wurde rot.

„Möchten Sie noch etwas Kaffee?“ Koljas Mutter schenkt aus der blau-weißen Kanne nach. Als sie die Kanne wieder absetzt, sagt sie: „Ich habe auch einmal einen Mann verlassen. Er hat mich immer wieder angelogen, aber es hat lange gedauert, bis ich es gespürt habe. Dann habe ich gegen das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, weiter gelebt und so getan, als wäre alles in Ordnung. Ich habe mich nicht getraut, Fragen zu stellen. Ich hatte Angst vor der Wahrheit. Davon bin ich krank geworden." Sie zieht das Fransentuch enger um die Schulter.

„Wie lange ist das her?“, frage ich.

„Dreizehn Jahre. Ich war fünfzig.“

"Aber Sie sind gegangen."

Sie nickt. "Ich war noch sehr schwach. Es hat lange gedauert, bis ich wieder Kräfte gesammelt hatte."

„Haben Sie sich nie wieder verliebt?“

„Doch“, sagt sie. „Einmal.“

„Ich habe ein bisschen Angst vor dem Alleinsein“, sage ich.

„Sie sind nicht allein“, sagt Koljas Mutter. Dasselbe, was ich vor ein paar Tagen zu Jolanda gesagt habe.

Später legt sie den Fransenschal ab und kocht uns Reis und brät Gemüse an. Sie entschuldigt sich für das einfache Essen. Vielleicht hätte ich längst gehen sollen, aber ich mag noch nicht gehen. "Machen Sie sich keine Mühe", sage ich.  Sie schickt mich in den Garten Kräuter zu holen. Ich möchte am liebsten hier bleiben, wenigstens für diese Nacht, und morgen in Ruhe zurück nach Berlin fahren, nach dem Frühstück. Die Kühle im Garten ist weich. Es ist finster, aber als meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, finde ich Rosmarin und Salbei.]]></description>
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		<title>Melancholie? Am besten die mit 71 Prozent</title>
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		<pubDate>Wed, 19 Oct 2011 08:51:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Essay]]></category>
		<category><![CDATA[Das Magazin]]></category>

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		<description><![CDATA[<a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2007/10/logo_invert1.gif"><img class="aligncenter size-full wp-image-20" title="Das Magazin - Logo" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2007/10/logo_invert1.gif" alt="" width="200" height="32" /></a><span style="color: #993366;"><em></em></span>

<span style="color: #993366;"><em>Anderswo darf man öffentlich und in Gesellschaft weinen und grübeln. In Deutschland stehen Melancholiker unter Trübsinns-Verdacht</em></span>

<a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/10/100_7058.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1105" title="100_7058" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/10/100_7058.jpg" alt="" width="416" height="622" /></a>

<span style="color: #993366;">Herbst auf dem Asphalt, Berlin Oktober 2011</span>

Der Baum im Hof leuchtet jeden Tag ein bisschen mehr. Je eher die Sonne hinter dem Dach gegenüber verschwindet, desto goldener strahlt sein Laub in der Dämmerung.

<strong>Ich sitze windgeschützt auf dem Balkon und hänge dem Sommer nach, mit einem Gefühl, für das mir nur</strong>]]></description>
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		</item>
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		<title>Ach, du machst Elternzeit?</title>
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		<pubDate>Fri, 14 Oct 2011 10:52:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Protokolle]]></category>
		<category><![CDATA[Berliner Zeitung]]></category>
		<category><![CDATA[Was ich nie vergessen werde]]></category>

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		<description><![CDATA[<img src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2007/10/blz_logo2.gif" alt="Berliner Zeitung" />

<span style="color: #993300;"><em>Der Filmregisseur Robert Thalheim war auf dem Weg zum Spielplatz, als ihn eine kurze Begegnung schwer verunsicherte</em></span>

<a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/10/Ali-Ghandtschi.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-1082" title="Ali Ghandtschi" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/10/Ali-Ghandtschi.jpg" alt="" width="565" height="737" /></a>

<span style="color: #993300;">Foto: © Ali Ghandtschi</span>

Der Tag begann wie immer. Ich räumte das Frühstücksgeschirr weg und packte Karl für unseren Spaziergang warm ein. Mein Sohn Karl war sechs Monate alt und ich war gerade in der Elternzeit. Als Karl geboren wurde, war für meine Frau und mich klar, dass wir uns die Elternzeit teilen. In unserem Freundeskreis gab es noch keine Kinder, niemand konnte uns von seinen Erfahrungen erzählen, aber die allgemeine, gesellschaftliche Stimmung war so, dass man dachte: Das machen jetzt alle.

Meine Frau arbeitet als freie Literaturübersetzerin und Dramaturgin. Ich hatte meinen Film „Am Ende kommen Touristen“ fertig, der gerade  in die Kinos kam. Das passte gut. In dem halben Jahr Elternzeit wollte ich, immer wenn Karl schläft, an meinem nächsten Drehbuch arbeiten.

Es wurde nichts mit dem Drehbuch. Meine Frau hatte kurz nach der Geburt einen Übersetzungsauftrag angenommen. Damit sie in Ruhe arbeiten konnte, drehte ich täglich mit dem Kinderwagen eine Runde in Pankow, klapperte den Kiezladen und die zwei Spielplätze im Park ab, dann lief ich wieder zurück und kochte für uns frisches Essen. Wenn Karl mal eine halbe Stunde schlief, schlief ich auch. An Arbeit war nicht zu denken.

<strong>Es war Herbst geworden. Ich trat aus dem Haus und überlegte, ob</strong>]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog, 29. September 11</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Sep 2011 21:47:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kathrins Notiz-Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Erdbeeren]]></category>
		<category><![CDATA[Jolanda]]></category>
		<category><![CDATA[Kathrins Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Kolja]]></category>
		<category><![CDATA[Leon]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Ich möchte Leon etwas zum Abschied schenken, ein Buch, das ich liebe, einen Ring als Zeichen, das wir zusammen gehören, auch wenn unsere Wege sich jetzt wieder trennen, einen einmaligen, besonderen Stein zur Erinnerung an eine besondere Zeit...

Er hat einige Male angerufen. Ich laufe die Treppe im Haus hinunter, jemand hat die Schnecke weg geräumt, aber ihre Schleimspur klebt noch auf den Fliesen. Die Sonne flutet in die Straße. Es ist Leben. Ich trete hinaus und versuche Schritt zu halten, wenigstens bis zu dem kleinen Laden an der Ecke. Als ich vor der Kühltruhe stehe, ratlos, welche Pizza ich für Jolanda und mich kaufen soll, ruft Leon wieder an. Diesmal nehme ich an.

„Ich wollte nur fragen, wie es dir geht“, sagt er.

„Geht so“, sage ich.

„Ich komme morgen Abend nach Berlin.“

„Aha.“

Schweigen.

„Wir können zusammen essen und reden.“

„Nein“, sage ich. „Es ist Schluss, ein für allemal, ich tue mir das nicht mehr an.“

„Lass uns noch einmal reden.“

„Ruf an, wenn du hier bist.“ Ich lege auf. Kurz bevor die Tränen kommen.

Die bunten Pizzaschachteln verschwimmen zu einem Aquarell. Ich greife hinein, ziehe etwas Kaltes heraus. Jolanda bittet mich, Erdbeerjoghurt mitzubringen. Erdbeerjoghurt. Ich tupfe die Tränen mit den Fingerspitzen ab. Mein Portemonnaie kippt aus. Eine dünne Frau hilft mir die Münzen aufzulesen, verschwimmt vor meinen Augen. Jogginghosen, enges, weißes Top. „Alles in Ordnung?“ Ihr Gesicht nähert sich meinem. Dunkle Augen. Die Haare aus dem Gesicht. Pferdeschwanz. Ich bin ihr dankbar. Wie wunderbar, dass es Menschen wie sie gibt. Im engen, überfüllten Gang des Früh – und Spät -, des Immerverkauf schlägt meine tiefe Traurigkeit um in eine euphorische Zuneigung zu den gütigen Menschen, die immer nur verschwommen, verwischt in Erscheinung treten.

Ich habe Schwierigkeiten, mich auf die Joghurtbecher zu konzentrieren. „Sie haben nur Vanille und Stracciatella“, melde ich Jolanda. Sie verordnet uns Stracchiatella.

Als das Telefon in meiner Tasche surrt, ich den Tränenschleier weg gedrückt habe und Koljas Namen im Display lese, hat die Frau sich bereits aufgelöst.

„Ich mache mir Sorgen um dich.“ Mit dieser melancholischen Stimme, die manchmal vornehm knarrt wie altes Parkett.

„Achso." Ich suche immer noch nach der Frau in der Jogginghose. Sie ist wie vom Erdboden verschwunden.

„Wo bist du? Was machst du?“, fragt Kolja.

Ich erzähle ihm von Jolanda.

„Soll ich kommen?“

„Es ist schwierig“, sage ich. „Ich wäre heute lieber mit ihr allein.“

„Morgen?“

„Vielleicht morgen“, sage ich. Aber das ist auch keine Lösung, denke ich laut.

Ich liege wieder in diesem Bett, das direkt über den Cafés und Clubs der Straße zu schweben scheint, dabei trennen mich mindestens sieben Meter von den Partyleuten. Ich frage mich, wie es sein wird, wieder allein zu sein. Vielleicht werde ich es für immer bleiben.

Kann man von der Vergangenheit zehren? Wenn ja, wie viel Kalorien hat die Erinnerung? Vor zwei Jahren im Erdbeerfeld war eine Frau, die mir erzählt hat, wie gut es ihr gegangen ist, als sie noch mit ihrem Freund zusammen gelebt und gearbeitet hat. Dann hat er sie wegen einer anderen verlassen und sie verlor auf einen Schlag ihr Zuhause und ihre Arbeit. Sie habe den Trennungsschmerz transformiert und sei noch einmal richtig durch gestartet, sagte sie. Sie habe eine Boutique eröffnet. Aber nach zwei Jahren sei sie finanziell ruiniert gewesen. Sie sei einmal so schön wie eine Diva gewesen, sagte sie. Sie hielt sich für nicht mehr schön, aber sie war noch immer eine hübsche Frau in ihren Jeans, der abgetragenen Strickjacke und den Gummistiefeln, mit langen Fingernägeln, die vom Erdbeerpflücken schmutzig geworden waren, eine Frau Mitte Fünfzig mit einer warmen Ausstrahlung.

Aber was waren ihre Erinnerungen mehr als die Schleimspur der Schnecke, die unten im Hausflur gestorben ist? Denn wir sind was wir sind. Wir werden nicht attraktiver, erfolgreicher und glücklicher, wenn wir der Vergangenheit nachhängen.

Ich liege da und rühre mich nicht, während der Lärmpegel unter meiner Matratze langsam anschwillt. Ich will nicht an das Alleinsein denken, aber es sind keine anderen Gedanken da. Also stehe ich auf und wandere durch die Wohnung, die nicht mehr meine ist.

Vor der Fensterfront steht jetzt ein langer Arbeitstisch. Ich setze mich auf Jakobs Seite, die aufgeräumt und beinahe leer ist. Auf Jolandas Seite liegen Bücher, Papiere, Hefte und Ordner zu einem gefährlich schiefen Berg gestapelt, dazwischen Kaugummipackungen, Zutaten für Zigaretten, Kopfschmerztabletten. Wie durch ein Wunder kommt der Berg nicht ins Rutschen. Ihr Computer befindet sich wie immer im Standby.

Als der Bildschirm aufflammt, sehe ich, dass sie zwölf ungelesene Mails hat. Ich stöbere nicht in Jolandas Briefen und Ordnern. Ich muss meine Neugier nicht einmal zügeln. Es gibt offenbar Dinge, die ich nicht wissen will. Ich gebe erst Leons Namen, dann meinen bei Google ein. Leon erscheint in Radfahrer und –Sammler-Foren. Es gibt auch Fotos von ihm, Fotos, die ihn auf Touren mit anderen zeigen. Von mir gibt es nichts. Ich schaue nicht nach meinen Mails. Ich möchte aussteigen aus der Wirklichkeit, durch nichts daran erinnert werden, dass ich ein Leben habe, das weiter geführt werden muss. Ich schalte den Computer endlich aus, fahre in meine Jeans, ziehe meinen Trenchcoat über, schleiche mich aus der Wohnung und lasse mich durch die helle, laute Nacht treiben.]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 26. September 11</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Sep 2011 12:26:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Erdbeeren]]></category>
		<category><![CDATA[Jolanda]]></category>
		<category><![CDATA[Kathrins Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Leon]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Jolandas kurze Sätze klingen wie versteinert. Jakob ist gegangen.

Ich packe ein paar Sachen in meinen Koffer und mache mich auf den Weg. Nach Hause? Wo ist das? Bei Jolanda werde ich nicht wieder einziehen. Diese Wohnung gehört jetzt ihr und Jakob. Auch wenn ich noch einen Schlüssel besitze, ist sie nicht mehr mein Zuhause. Vielleicht kann ich ein paar Tage bei Jolanda bleiben, bis ich eine Wohnung für mich gefunden habe.

Die Sonne scheint und die Kirschbäume in der Straße werden schon gelb. Ich liebe diese Jahreszeit, in der sich die Natur beruhigt und die Luft ganz klar wird. Es ist, als ob die Häuser und Bäume, die Straßen und Schienenstränge, die Stadt und der Himmel näher zusammen rücken. Alles wird sich finden, flüstere ich mir zu. Es ist nicht das Ende der Welt.

Auf den bunten Fliesen im Hausflur ist eine Nacktschnecke angetrocknet. Sie hat eine kleine Schleimspur hinterlassen. Sie ist hart wie Lakritz. Als ich neben der Schnecke im Hausflur hocke, höre ich Leon sagen: Komm, wir bringen sie nach hinten, auf die Wiese. Aber ich stehe auf und lasse die Schnecke liegen. Leon ist nicht da.

Jolanda öffnet in Jogginghosen und T-Shirt. Sieht aus, als sei sie heute noch nicht vor die Tür gegangen. Ihr Gesicht ist verheult. Ich nehme sie in die Arme. Sie fühlt sich an wie eben erst aufgestanden, weich, aufgeweicht und warm, formlos, völlig aus der Fassung.

Ich lasse meinen Koffer im Flur stehen und folge Jolanda in die Küche. Die Küche ist der einzige Raum, der noch genauso aussieht wie damals, als ich ausgezogen bin. In Jolandas Zimmer, gegenüber der Küche, sind die Vorhänge zugezogen. Sie schwingt sich auf das Fensterbrett und breitet das Material für ihre Zigaretten neben sich aus. Vor drei Tagen sei Jakob das erste Mal über Nacht bei seinen Eltern geblieben, erzählt sie. Er habe sie angerufen und gesagt, dass sie ihn zum Essen eingeladen hätten und er danach beschlossen habe, ein paar Tage dort zu bleiben, um über seine Zukunft nachzudenken, ganz in Ruhe.

In diesem Moment wird Jolanda von einem Weinen geschüttelt. Der Tabak krümelt aus dem Zigarettenpapier. Wütend schmettert sie die halbfertige Zigarette auf den Boden.

Ich nähere mich vorsichtig und lege eine Hand auf ihren Arm. „Glaubst du, dass er dich anlügt und in Wahrheit eine andere hat?“

Sie schüttelt den Kopf.

„Was ist dann passiert?“

„Er ist weg“, schreit sie, schluchzend.

„Er hat sich zurück gezogen um über sich nach zu denken. Das heißt doch nicht, dass er weg ist.“

„Er sagt...“ Jolanda hebt den Kopf und versucht sich zu sammeln. „Er sagt, dass er nicht sicher ist, ob er wirklich schon so auf Familie machen will, mit eigener Wohnung und so....“ Sie fällt wieder in sich zusammen.

„Moment mal! Er ist bei seinen Eltern, um über sich nachzudenken und dabei könnte herauskommen, dass er nicht mehr mit dir in einer Wohnung leben will. Aber das heißt doch nicht, dass er sich trennen möchte.“

„Er will für ein Jahr in die USA gehen“, schreit Jolanda mit zitternder Stimme.

Ich ziehe meine Hand zurück. „Das ist doch normal. Ihr seid jung. Ihr müsst euch die Welt anschauen. Er kommt zurück. Ein Jahr ist gar nichts.“

„Auf Familie machen....“, wiederholt sie. „Wir haben doch nicht auf Familie gemacht.“

„Jakob ist ehrgeizig. Er hat Dinge vor. Ihr könnt skypen und euch besuchen...“

„Wieso spricht er nicht mit mir über seine Zukunft? Ich bin doch seine Freundin. Wer bin ich denn für ihn?“

„Hast du ihm diese Frage gestellt?“

Jolanda antwortet nicht sofort. Unter Schluchzen versucht sie es mit der nächsten Zigarette. „Ich habe ihn gefragt, warum wir nicht darüber reden können, wie normale Leute?“

„Was hat er gesagt?“

„Ich würde zu schnell austicken. – Was soll ich machen? Ich habe solche Angst, dass er geht.“

„Bleib ruhig! Es gibt unendlich viele Paare, die das überstanden haben.“

„Und genauso viele, die sich getrennt haben.“ Jolanda blickt mich verstört aus rote Augen an. Es ist das erste Mal, seit ich da bin, dass sie mich überhaupt ansieht. „Alles ist gerade so schön. Wieso kann es nicht so bleiben?“

„Weil ihr keine alten Leute seid.“

„Ich kann nicht alleine sein. Aber ich will auch nicht wieder mit dir hier leben. Jetzt ist es die Wohnung von Jakob und mir geworden.“ Sie weint wie früher, als kleines Kind.

„Ja. Ja. Wie oft hast du ihn angerufen in den letzten Tagen, seit er zu Hause schläft?“

„Wir haben stundenlang telefoniert“, sagt Jolanda. „Ich wollte ihn treffen...Ich habe schreckliche Angst davor, dass er fortgeht.“

„Es ist nicht das Ende.“

„Aber er ist dann nicht da.“

„Er wird für dich da sein. Du kannst mit ihm reden, ihn besuchen. Vielleicht werdet ihr eine intensivere Zeit haben als wenn er hier ist.“

Jolanda kaut auf ihrer Lippe.

„Aber ich bin allein in der Wohnung.“

„Davor hast du Angst?“

„Höllenangst.“

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		<title>Kathrins Notiz-Blog 27. August 11</title>
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		<pubDate>Sat, 27 Aug 2011 14:06:50 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
				<category><![CDATA[Kathrins Notiz-Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Kathrins Blog]]></category>
		<category><![CDATA[Leon]]></category>
		<category><![CDATA[Liebe]]></category>

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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Erst als der Zug die Felswände vor Verviers passiert, rufe ich Leon an. Seine Überraschung klingt hell und weich, wehrlos glücklich.

Ich entdeckte ihn sofort, noch bevor der Zug hält. Er sitzt in einem weißen Leinenhemd in der Abendsonne auf dem Treppengeländer. Seine Locken fliegen im Wind des einfahrenden Zuges. Als wir aufeinander zugehen, scheint es mir, als sei mindestens ein Jahr vergangen, soviel ist geschehen, seit wir uns das letzte Mal gesehen haben. Dabei ist es erst eine Woche her.

Aber in den letzten Tagen haben wir nicht miteinander telefoniert. Leon wollte sein Telefon am Wochenende ausschalten, um einmal in Ruhe über sein Leben nachzudenken. <strong>Zuerst hatte ich ihm nicht geglaubt und</strong>]]></description>
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