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	<title>KathrinSchrader.de &#187; Jolanda</title>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 3. Januar 2012</title>
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		<pubDate>Tue, 03 Jan 2012 17:42:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Kurz vor dem Einschlafen, in der Phase zwischen Traum und Wachsein, beginnt der Lärm. Als ob ein Sack in meinem Kopf geöffnet wird und der ganze unbewältigte Kram hervorquillt. Gesprächsfetzen von dem Essen bei Jakobs Eltern am zweiten Weihnachtstag: Leon: „...Streubomben aus Ihren Spareinlagen...“ Jakobs Mutter: „...keine Alternative...“ Jolandas weist Leon barsch zurecht. Ihre Stimme hallt. Ich sehe den schmalen Esstisch mit der cremefarbenen Decke kippen, das Blümchenservice stürzt mir entgegen, die Gläser brechen. Plötzlich ist Kolja dort: „...wie lange denn noch...?“ Das Getöse reißt mich zurück ins Wachsein. Auf dieser Seite ist es ganz still. Leon atmet ruhig neben mir. Nichts ist passiert. Aber der Schlaf ist stark. Irgendwann zwingt er mich wieder durch den lauten Korridor. Was danach kommt, weiß ich nicht. Ich habe keine Erinnerung an den Schlaf, keinen Traum.

Beim Aufwachen am Morgen sind die Stimmen wieder da: Jolanda spricht schnell. Es sind andere Stimmen in dem Raum. Wahrscheinlich sind wir in einem Seminar. Leon flüstert: „...Liebling...“ Und dann ist es still. Leon flüstert: "Komm!" Er liegt dicht an mich gedrängt, umschlingt mich mit den Armen. Wie immer. Sein Penis küsst mich vorsichtig wach. Wie jeden Morgen. Es ist gar nichts passiert. Vielleicht kompensiert mein Kopf unser Schweigen mit dem Lärm. Wir sprechen in letzter Zeit zu wenig. Aber morgens beim Sex sind wir ehrlich zueinander. Die Heilige Nacht findet keinerlei Erwähnung. War wohl nicht der Rede wert.]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 28. Dezember 11</title>
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		<pubDate>Wed, 28 Dec 2011 12:26:25 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Von meinem Platz im Küchenfenster halte ich den schmalen Lichtstreifen im Blick, der aus der angelehnten Garagentür fällt. Ich rechne eigentlich nicht mehr damit, dass die Tür sich in den nächsten Stunden öffnen und Leon erscheinen und hoch zu mir kommen und fragen wird, ob wir zusammen etwas kochen.

Heute ist Weihnachten. Ich habe den Tisch in der Küche aufgeräumt und eine rote Kerze darauf gestellt und ein paar Walnüsse ringsherum verteilt. Es könnte losgehen. Aber Leon feiert allein unten in der Garage. Er beschert sich selbst. In den letzten Tagen sind ein paar Fahrradrahmen aus den Achtzigern mit der Post aus Amsterdam eingetroffen. Ich habe geholfen, sie nach Hause zu tragen.

Im Fenster wird es kühl. Der Wind drückt gegen die Scheibe. Meine Füße sind kalt. Sie stecken in löchrigen Wollsocken. Ich könnte etwas Neues gebrauchen. Die rote Kerze auf dem Tisch brennt ruhig. Vielleicht würde es mir nichts ausmachen, wenn ich niemandes Frau wäre. Arbeiten könnte ich an diesem Abend wahrscheinlich nicht. Weihnachten bleibt etwas Besonderes in meinem Herzen, auch wenn ich die Art, wie die meisten es begehen, ablehne.

Es geht auf sieben. Ausgerechnet der Heilige Abend ist der längste des Jahres. Für die meisten beginnt er um sechs, einige fangen schon um fünf Uhr damit an.
Neben der roten Kerze liegt schwarz und flach mein Telefon. Jolanda ist mit Jakob zu seinen Eltern gefahren. Jakob hat richtige Eltern im passenden Elternalter, so um die Fünfzig, Vater und Mutter mit guten Berufen und einer richtigen Elternwohnung, in der man sich in ein Sofa lümmeln und den Fernseher anschalten kann.

Einmal haben Leon und ich in einem Geschäft vor einem Ledersofa gestanden und ernsthaft überlegt, aber dann schienen uns andere Dinge wichtiger.

Ich wähle Koljas Nummer. Er hält die Luft an, als ich sage, dass ich ihn gern sehen würde. Einen Moment lang höre ich nur die Laute in seiner Umgebung: Ellas Plappern und die Stimme von Koljas Mutter, wie dunkler Samt, dahinter Weihnachtsmusik. Koljas Frau höre ich auch, obwohl sie elfenhaft lautlos zwischen Küche und Esstisch hin und her huscht. Dann setzt Koljas Atem wieder ein. Er lacht. Er schlägt vor, sich in zwei Stunden im Büro zu treffen.

Ich schleiche ohne ein Wort an der Garage vorbei nach draußen. Die U-Bahn ist fast leer, die Straßen rings um das Architekturbüro wie ausgestorben. Viele Fenster sind dunkel. Jeder, der heute allein ist, verlässt sein Haus und drängt mit anderen Menschen um einen Tisch. Die Stadt wird komprimiert, der Energieverbrauch um mehr als die Hälfte reduziert. Mehr Liebe - das ist die Formel der Energieeffizienz.

Das Büro im ehemaligen Heizhaus ist grell erleuchtet. Durch die kahlen Forsythienzweige sehe ich Kolja in seiner Lederjacke am Monitor sitzen.
Er schließt die Tür auf, umarmt und küsst mich. Zu euphorisch. Ich winde mich frei.

„Du bist wirklich gekommen“, sage ich. „Wieso?“

„Man kann diesen Abend nur so verbringen.“

„Wie?“

Kolja zieht mich in der Taille an sich. „Mit dir. Mit einer Frau, für die man alles aufs Spiel setzt. Ich war so glücklich, als du angerufen hast.“

Er sieht blass aus. Oder liegt das am Neonlicht? Vielleicht hat ihn sein eigener Mut erschreckt. Ich spüre sein kaum sichtbares Zittern. „Liebst du mich?“ fragt er.

Ich schüttele den Kopf. "Nein."

„Wunderbar!“ Kolja schwingt mich im Walzerschritt bis zu seinem Schreibtisch. Er duftet nach Leder und einem frischen Parfüm. „Lass uns keine Zeit verlieren, ja?“ Er dreht mich weiter zu den Lichtschaltern, knippst sie im Vorbeitanzen aus. Es ist sehr dunkel. Hinter den Forsythien auf der anderen Hofseite leuchten einige Lichtpunkte in der Fassade, kleine Fenster, verziert mit Gardinen, Papier – und Strohsternen und Schwippbögen. Diese kleinen Fenster deprimieren mich jedesmal, wenn ich hier bin. So klein ist der Platz, den sich zwei Menschen teilen. So schnell sind sie vergessen. Wir werden ihre Geschichten niemals erfahren.

Mein Pullover sprüht beim Ausziehen Funken. Wir knistern beide. Koljas Hände lesen meine Haut wie seine Augen tags mein Gesicht lesen. Langsam werden unsere Umrisse in dem spärlichen Licht von draußen sichtbar. Koljas Zähne schimmern. Es ist seltsam, in diesem großen Raum nackt zu sein. Ich nehme Koljas Hand und lege sie auf die nackteste Stelle meines Körpers, wo kein einziges Haar mehr ist.

„Warum machst du das?“ fragt er.

„Gefällt es dir?“

Er antwortet nicht. Mit Kolja tut die Liebe nicht weh. Er ist kleiner und leichter als Leon. Er bricht nie in Schweiß aus. Er liebt mich wie er ein Buch liest. Er blättert langsam die Seiten um. Er bleibt aufmerksam und konzentriert, solange ich aufgeschlagen vor ihm liege.

Wir haben nichts in diesem Büro, nur Wasser aus der Leitung und Koljas Zigaretten. Also sitzen wir später, noch immer nackt, mit einem Glas Wasser und einer Zigarette auf dem Schreibtisch, die Füße auf der Heizung und blicken hinaus zu den Lebens-Lichtern.

„Jetzt sind alle schon fix und fertig vom Essen und Fernsehen.“ Kolja kichert. Leon, denke ich, wird irgendwann Hunger bekommen haben und rauf in die Wohnung gegangen sein. Er wird sich gewundert haben, wo ich bin. Ich habe das Telefon seinetwegen nicht ausgeschaltet. Ich möchte wissen, wann er anruft. Aber er ruft nicht an.

Zuerst hören wir Sting. „A soul cake, a soul cake, please, good misses, a soul cake, an apple, a pear, a plum or a cherry, any good thing to make us all merry, a soul cake, a soul cake....“ Wir springen umher. Später James Blake. „There is a limit to your love, like a waterfall in slow motion, like a map with no ocean....“ Ich halte Kolja, als wäre er der letzte Mensch, den ich treffe, am Ende der Welt. Gleich stürze ich vom Rand der Scheibe in das endlose Meer der Bedeutungslosigkeit. Die Computer hocken in der Dunkelheit wie stumpfe Tiere und sehen teilnahmslos meinem Ende zu. Die Lichter drüben erlöschen nach und nach. Die Leute gehen zu Bett. Wir kriechen in Koljas Schlafsack. Als wir uns endlich Ruhe geben, kann ich nicht einschlafen. Ich krieche nach draußen und suche in der Dunkelheit mein Telefon. Das Display leuchtet auf. Kein Anruf. Ich rauche noch eine Zigarette gegen den Hunger und blicke durch die große Scheibe in die Nacht, die jetzt nur noch von den Lichtern des Fernsehturms beleuchtet wird, die sich in den Wolken spiegeln.

Als ich am nächsten Tag nach Hause komme, ist der Lichtstreif aus der Garagentür genauso breit wie am Abend davor. Die Küche ist unberührt, ebenso das Bett. Ich lasse meinen Mantel im Flur fallen und gehe in den Hof, um zu schauen, ob Leon noch lebt. Von dem grauen Rasen aus höre ich Leon arbeiten. Er hat die Nacht also durch gemacht. Ich steige die Treppen wieder hinauf. Ich bin plötzlich müde. In der Badewanne presse ich mich so dicht wie möglich an den heißen Wasserstrahl. Kolja ist auf dem Weg zurück in die Märkische Schweiz, wo zwei Frauen mit einem festlichen Mittagessen auf ihn warten. Wir haben zusammen noch einen Kaffee getrunken, in dem Café vorn an der Ecke. Wir waren die einzigen Gäste.

Und Leon hat nicht einmal bemerkt, dass ich fortgegangen bin. Die Nacht hinterlässt keine Frage, nicht einmal die geringste Spur eines Zweifels.]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 28. Oktober 11</title>
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		<pubDate>Fri, 28 Oct 2011 09:05:05 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

„Ich kann jeden Tag eine andere Wohnung einrichten, aber nicht mein eigenes Leben.“

Koljas Mutter nickt mir zu mit einem Lächeln, von dem ich nicht weiß, ob es Anerkennung ist für die Wohnungen oder Gewissheit, dass ich das mit dem Leben auch noch hinbekomme. Ich sitze gleich links, wenn man in das Haus tritt, auf dem Sofa, unter den Büchern. Im Kamin glühen noch ein paar Holzstücke. Koljas Mutter trägt wieder das wollene Tuch mit den langen Fransen. Sie hat es fester um sich geschlungen im Laufe meiner Erzählung. Sie sitzt mir zugeneigt mit diesem freundlichen, konzentrierten Blick. Ihr kurzes, lockiges Haar ist vor den Ohrmuscheln zu akkuraten, spitz zulaufenden Locken geschnitten.

„Ich wollte Sie wiedersehen, weil ich glaube, dass Sie solche Gefühlszustände kennen“, sage ich.

Sie nickt. „Ich freue mich, dass Sie wiedergekommen sind.“ Sie hat Kaffee gekocht. Der Apfelkuchen, den sie dazu serviert, ist selbst gebacken.

„Ich verstehe Ihre Verunsicherung“, sagt sie. „Manchmal spürt man nur, dass etwas nicht stimmt, man will das nicht wahrhaben, man hört nicht auf das eigene Gefühl, man macht weiter...aber irgendwann weiß man, dass es Zeit ist zu gehen.“

„Wann?“

„Das ist schwierig. Manchmal wartet man zu lange.“

Wann ist ‚zu lange’?“

Sie schaut aus dem Fenster. Ihr Blick ist plötzlich nüchtern, fast kalt. Sie holt Luft. Dann kehrt sie schnell zurück, wieder freundlich. "Ist Ihnen warm genug?"

Ich nicke, aber sie steht trotzdem auf und wirft ein paar Holzscheite in den Kamin.

„Zu lange“, wiederholt sie. Sie schaut in das Feuer. „Ich weiß nicht, ob man das so sagen kann. Sie tun auch richtig daran, auf die Liebe zu vertrauen, zu hoffen...an etwas zu glauben, das Sie miteinander verbindet. Tun Sie nichts überstürzt!“

Sie setzt sich wieder in den Sessel. Die Holzscheite krachen auseinander.

„Wenn man jemanden verlässt, verliert man so viele Dinge. Es ist, als ob man die Verankerung aus seinem Herzen fetzt“, sage ich.

„Denken Sie an sich. Passen Sie auf sich auf.“

Wie passt man auf sich auf, will ich sie fragen, aber ich schlucke die Frage hinunter.

„Vertrauen Sie Leon?“

„Ich weiß nicht...doch, ich glaube schon, in dem Sinne, dass er mir nichts vormacht. Aber er ist nicht gerade der Sicherheitsfaktor meines Lebens, falls Sie das meinen.“

„Es wäre gut, wenn Sie irgendwo etwas Ruhe finden könnten, einen Platz für sich“, sagt Koljas Mutter. „Einen Raum, in dem sie beginnen, aufzuräumen, zuerst Ihren Kopf, danach Ihr Herz, so lange, bis Sie sich völlig bei sich fühlen.“ Als sie das sagt,fühle ich mich wieder wie als Teenager, unbehauen, mit diesem naiven Ausdruck,  für den ich mich schämte und dann rutschten mir die Lippen aus wie kurz vor dem Weinen und ich wurde rot.

„Möchten Sie noch etwas Kaffee?“ Koljas Mutter schenkt aus der blau-weißen Kanne nach. Als sie die Kanne wieder absetzt, sagt sie: „Ich habe auch einmal einen Mann verlassen. Er hat mich immer wieder angelogen, aber es hat lange gedauert, bis ich es gespürt habe. Dann habe ich gegen das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, weiter gelebt und so getan, als wäre alles in Ordnung. Ich habe mich nicht getraut, Fragen zu stellen. Ich hatte Angst vor der Wahrheit. Davon bin ich krank geworden." Sie zieht das Fransentuch enger um die Schulter.

„Wie lange ist das her?“, frage ich.

„Dreizehn Jahre. Ich war fünfzig.“

"Aber Sie sind gegangen."

Sie nickt. "Ich war noch sehr schwach. Es hat lange gedauert, bis ich wieder Kräfte gesammelt hatte."

„Haben Sie sich nie wieder verliebt?“

„Doch“, sagt sie. „Einmal.“

„Ich habe ein bisschen Angst vor dem Alleinsein“, sage ich.

„Sie sind nicht allein“, sagt Koljas Mutter. Dasselbe, was ich vor ein paar Tagen zu Jolanda gesagt habe.

Später legt sie den Fransenschal ab und kocht uns Reis und brät Gemüse an. Sie entschuldigt sich für das einfache Essen. Vielleicht hätte ich längst gehen sollen, aber ich mag noch nicht gehen. "Machen Sie sich keine Mühe", sage ich.  Sie schickt mich in den Garten Kräuter zu holen. Ich möchte am liebsten hier bleiben, wenigstens für diese Nacht, und morgen in Ruhe zurück nach Berlin fahren, nach dem Frühstück. Die Kühle im Garten ist weich. Es ist finster, aber als meine Augen sich an die Dunkelheit gewöhnt haben, finde ich Rosmarin und Salbei.]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog, 29. September 11</title>
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		<pubDate>Thu, 29 Sep 2011 21:47:46 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Erdbeeren]]></category>
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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Ich möchte Leon etwas zum Abschied schenken, ein Buch, das ich liebe, einen Ring als Zeichen, das wir zusammen gehören, auch wenn unsere Wege sich jetzt wieder trennen, einen einmaligen, besonderen Stein zur Erinnerung an eine besondere Zeit...

Er hat einige Male angerufen. Ich laufe die Treppe im Haus hinunter, jemand hat die Schnecke weg geräumt, aber ihre Schleimspur klebt noch auf den Fliesen. Die Sonne flutet in die Straße. Es ist Leben. Ich trete hinaus und versuche Schritt zu halten, wenigstens bis zu dem kleinen Laden an der Ecke. Als ich vor der Kühltruhe stehe, ratlos, welche Pizza ich für Jolanda und mich kaufen soll, ruft Leon wieder an. Diesmal nehme ich an.

„Ich wollte nur fragen, wie es dir geht“, sagt er.

„Geht so“, sage ich.

„Ich komme morgen Abend nach Berlin.“

„Aha.“

Schweigen.

„Wir können zusammen essen und reden.“

„Nein“, sage ich. „Es ist Schluss, ein für allemal, ich tue mir das nicht mehr an.“

„Lass uns noch einmal reden.“

„Ruf an, wenn du hier bist.“ Ich lege auf. Kurz bevor die Tränen kommen.

Die bunten Pizzaschachteln verschwimmen zu einem Aquarell. Ich greife hinein, ziehe etwas Kaltes heraus. Jolanda bittet mich, Erdbeerjoghurt mitzubringen. Erdbeerjoghurt. Ich tupfe die Tränen mit den Fingerspitzen ab. Mein Portemonnaie kippt aus. Eine dünne Frau hilft mir die Münzen aufzulesen, verschwimmt vor meinen Augen. Jogginghosen, enges, weißes Top. „Alles in Ordnung?“ Ihr Gesicht nähert sich meinem. Dunkle Augen. Die Haare aus dem Gesicht. Pferdeschwanz. Ich bin ihr dankbar. Wie wunderbar, dass es Menschen wie sie gibt. Im engen, überfüllten Gang des Früh – und Spät -, des Immerverkauf schlägt meine tiefe Traurigkeit um in eine euphorische Zuneigung zu den gütigen Menschen, die immer nur verschwommen, verwischt in Erscheinung treten.

Ich habe Schwierigkeiten, mich auf die Joghurtbecher zu konzentrieren. „Sie haben nur Vanille und Stracciatella“, melde ich Jolanda. Sie verordnet uns Stracchiatella.

Als das Telefon in meiner Tasche surrt, ich den Tränenschleier weg gedrückt habe und Koljas Namen im Display lese, hat die Frau sich bereits aufgelöst.

„Ich mache mir Sorgen um dich.“ Mit dieser melancholischen Stimme, die manchmal vornehm knarrt wie altes Parkett.

„Achso." Ich suche immer noch nach der Frau in der Jogginghose. Sie ist wie vom Erdboden verschwunden.

„Wo bist du? Was machst du?“, fragt Kolja.

Ich erzähle ihm von Jolanda.

„Soll ich kommen?“

„Es ist schwierig“, sage ich. „Ich wäre heute lieber mit ihr allein.“

„Morgen?“

„Vielleicht morgen“, sage ich. Aber das ist auch keine Lösung, denke ich laut.

Ich liege wieder in diesem Bett, das direkt über den Cafés und Clubs der Straße zu schweben scheint, dabei trennen mich mindestens sieben Meter von den Partyleuten. Ich frage mich, wie es sein wird, wieder allein zu sein. Vielleicht werde ich es für immer bleiben.

Kann man von der Vergangenheit zehren? Wenn ja, wie viel Kalorien hat die Erinnerung? Vor zwei Jahren im Erdbeerfeld war eine Frau, die mir erzählt hat, wie gut es ihr gegangen ist, als sie noch mit ihrem Freund zusammen gelebt und gearbeitet hat. Dann hat er sie wegen einer anderen verlassen und sie verlor auf einen Schlag ihr Zuhause und ihre Arbeit. Sie habe den Trennungsschmerz transformiert und sei noch einmal richtig durch gestartet, sagte sie. Sie habe eine Boutique eröffnet. Aber nach zwei Jahren sei sie finanziell ruiniert gewesen. Sie sei einmal so schön wie eine Diva gewesen, sagte sie. Sie hielt sich für nicht mehr schön, aber sie war noch immer eine hübsche Frau in ihren Jeans, der abgetragenen Strickjacke und den Gummistiefeln, mit langen Fingernägeln, die vom Erdbeerpflücken schmutzig geworden waren, eine Frau Mitte Fünfzig mit einer warmen Ausstrahlung.

Aber was waren ihre Erinnerungen mehr als die Schleimspur der Schnecke, die unten im Hausflur gestorben ist? Denn wir sind was wir sind. Wir werden nicht attraktiver, erfolgreicher und glücklicher, wenn wir der Vergangenheit nachhängen.

Ich liege da und rühre mich nicht, während der Lärmpegel unter meiner Matratze langsam anschwillt. Ich will nicht an das Alleinsein denken, aber es sind keine anderen Gedanken da. Also stehe ich auf und wandere durch die Wohnung, die nicht mehr meine ist.

Vor der Fensterfront steht jetzt ein langer Arbeitstisch. Ich setze mich auf Jakobs Seite, die aufgeräumt und beinahe leer ist. Auf Jolandas Seite liegen Bücher, Papiere, Hefte und Ordner zu einem gefährlich schiefen Berg gestapelt, dazwischen Kaugummipackungen, Zutaten für Zigaretten, Kopfschmerztabletten. Wie durch ein Wunder kommt der Berg nicht ins Rutschen. Ihr Computer befindet sich wie immer im Standby.

Als der Bildschirm aufflammt, sehe ich, dass sie zwölf ungelesene Mails hat. Ich stöbere nicht in Jolandas Briefen und Ordnern. Ich muss meine Neugier nicht einmal zügeln. Es gibt offenbar Dinge, die ich nicht wissen will. Ich gebe erst Leons Namen, dann meinen bei Google ein. Leon erscheint in Radfahrer und –Sammler-Foren. Es gibt auch Fotos von ihm, Fotos, die ihn auf Touren mit anderen zeigen. Von mir gibt es nichts. Ich schaue nicht nach meinen Mails. Ich möchte aussteigen aus der Wirklichkeit, durch nichts daran erinnert werden, dass ich ein Leben habe, das weiter geführt werden muss. Ich schalte den Computer endlich aus, fahre in meine Jeans, ziehe meinen Trenchcoat über, schleiche mich aus der Wohnung und lasse mich durch die helle, laute Nacht treiben.]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 26. September 11</title>
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		<pubDate>Mon, 26 Sep 2011 12:26:48 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Jolandas kurze Sätze klingen wie versteinert. Jakob ist gegangen.

Ich packe ein paar Sachen in meinen Koffer und mache mich auf den Weg. Nach Hause? Wo ist das? Bei Jolanda werde ich nicht wieder einziehen. Diese Wohnung gehört jetzt ihr und Jakob. Auch wenn ich noch einen Schlüssel besitze, ist sie nicht mehr mein Zuhause. Vielleicht kann ich ein paar Tage bei Jolanda bleiben, bis ich eine Wohnung für mich gefunden habe.

Die Sonne scheint und die Kirschbäume in der Straße werden schon gelb. Ich liebe diese Jahreszeit, in der sich die Natur beruhigt und die Luft ganz klar wird. Es ist, als ob die Häuser und Bäume, die Straßen und Schienenstränge, die Stadt und der Himmel näher zusammen rücken. Alles wird sich finden, flüstere ich mir zu. Es ist nicht das Ende der Welt.

Auf den bunten Fliesen im Hausflur ist eine Nacktschnecke angetrocknet. Sie hat eine kleine Schleimspur hinterlassen. Sie ist hart wie Lakritz. Als ich neben der Schnecke im Hausflur hocke, höre ich Leon sagen: Komm, wir bringen sie nach hinten, auf die Wiese. Aber ich stehe auf und lasse die Schnecke liegen. Leon ist nicht da.

Jolanda öffnet in Jogginghosen und T-Shirt. Sieht aus, als sei sie heute noch nicht vor die Tür gegangen. Ihr Gesicht ist verheult. Ich nehme sie in die Arme. Sie fühlt sich an wie eben erst aufgestanden, weich, aufgeweicht und warm, formlos, völlig aus der Fassung.

Ich lasse meinen Koffer im Flur stehen und folge Jolanda in die Küche. Die Küche ist der einzige Raum, der noch genauso aussieht wie damals, als ich ausgezogen bin. In Jolandas Zimmer, gegenüber der Küche, sind die Vorhänge zugezogen. Sie schwingt sich auf das Fensterbrett und breitet das Material für ihre Zigaretten neben sich aus. Vor drei Tagen sei Jakob das erste Mal über Nacht bei seinen Eltern geblieben, erzählt sie. Er habe sie angerufen und gesagt, dass sie ihn zum Essen eingeladen hätten und er danach beschlossen habe, ein paar Tage dort zu bleiben, um über seine Zukunft nachzudenken, ganz in Ruhe.

In diesem Moment wird Jolanda von einem Weinen geschüttelt. Der Tabak krümelt aus dem Zigarettenpapier. Wütend schmettert sie die halbfertige Zigarette auf den Boden.

Ich nähere mich vorsichtig und lege eine Hand auf ihren Arm. „Glaubst du, dass er dich anlügt und in Wahrheit eine andere hat?“

Sie schüttelt den Kopf.

„Was ist dann passiert?“

„Er ist weg“, schreit sie, schluchzend.

„Er hat sich zurück gezogen um über sich nach zu denken. Das heißt doch nicht, dass er weg ist.“

„Er sagt...“ Jolanda hebt den Kopf und versucht sich zu sammeln. „Er sagt, dass er nicht sicher ist, ob er wirklich schon so auf Familie machen will, mit eigener Wohnung und so....“ Sie fällt wieder in sich zusammen.

„Moment mal! Er ist bei seinen Eltern, um über sich nachzudenken und dabei könnte herauskommen, dass er nicht mehr mit dir in einer Wohnung leben will. Aber das heißt doch nicht, dass er sich trennen möchte.“

„Er will für ein Jahr in die USA gehen“, schreit Jolanda mit zitternder Stimme.

Ich ziehe meine Hand zurück. „Das ist doch normal. Ihr seid jung. Ihr müsst euch die Welt anschauen. Er kommt zurück. Ein Jahr ist gar nichts.“

„Auf Familie machen....“, wiederholt sie. „Wir haben doch nicht auf Familie gemacht.“

„Jakob ist ehrgeizig. Er hat Dinge vor. Ihr könnt skypen und euch besuchen...“

„Wieso spricht er nicht mit mir über seine Zukunft? Ich bin doch seine Freundin. Wer bin ich denn für ihn?“

„Hast du ihm diese Frage gestellt?“

Jolanda antwortet nicht sofort. Unter Schluchzen versucht sie es mit der nächsten Zigarette. „Ich habe ihn gefragt, warum wir nicht darüber reden können, wie normale Leute?“

„Was hat er gesagt?“

„Ich würde zu schnell austicken. – Was soll ich machen? Ich habe solche Angst, dass er geht.“

„Bleib ruhig! Es gibt unendlich viele Paare, die das überstanden haben.“

„Und genauso viele, die sich getrennt haben.“ Jolanda blickt mich verstört aus rote Augen an. Es ist das erste Mal, seit ich da bin, dass sie mich überhaupt ansieht. „Alles ist gerade so schön. Wieso kann es nicht so bleiben?“

„Weil ihr keine alten Leute seid.“

„Ich kann nicht alleine sein. Aber ich will auch nicht wieder mit dir hier leben. Jetzt ist es die Wohnung von Jakob und mir geworden.“ Sie weint wie früher, als kleines Kind.

„Ja. Ja. Wie oft hast du ihn angerufen in den letzten Tagen, seit er zu Hause schläft?“

„Wir haben stundenlang telefoniert“, sagt Jolanda. „Ich wollte ihn treffen...Ich habe schreckliche Angst davor, dass er fortgeht.“

„Es ist nicht das Ende.“

„Aber er ist dann nicht da.“

„Er wird für dich da sein. Du kannst mit ihm reden, ihn besuchen. Vielleicht werdet ihr eine intensivere Zeit haben als wenn er hier ist.“

Jolanda kaut auf ihrer Lippe.

„Aber ich bin allein in der Wohnung.“

„Davor hast du Angst?“

„Höllenangst.“

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		<title>Kathrins Notiz-Blog 13. Juli 11</title>
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		<pubDate>Wed, 13 Jul 2011 09:04:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Kolja hat mich zur Begrüßung nicht gelesen. Sonst überfliegt er mein Gesicht wie eine Titelseite, bevor er mich an sich drückt. Noch immer macht mich seine Aufmerksamkeit verlegen. Heute küsste er an meinen Wangen vorbei. Und holte für mich einen piefigen Hocker aus der Küche, ein Ding mit drei Löchern im Sitz. Sieht aus wie eine geplättete Bowlingkugel. Man kann nicht einmal damit kippeln. 

Es geht um eine Wohnung in der Karl-Marx-Allee. Kolja hat sie umgebaut. Ich soll die Inneneinrichtung übernehmen. Es ist der beste Job, den ich jemals hatte, aber das gebe ich vor Kolja nicht zu. Die Wohnung gehört einem Musiker aus Dänemark. Er möchte sie möbliert vermieten und teilweise auch selbst nutzen, wenn er ein Gastspiel in Berlin hat. Er hat weniger die Touristen im Auge, als viel mehr die Leute, die nach Berlin kommen, um sich hier beruflich was aufzubauen.

„Aber..."

„Kein Aber“, sagt Kolja. „Ich weiß, was du sagen willst. Die Spanier, Italiener, Franzosen und Israelis, die in Berlin Jobs suchen, leben in Zelten, Gartenlauben oder zur Untermiete bei Freunden, die gerade in Tel Aviv und New York Jobs suchen.“

„Hast du ihm das nicht gesagt?“, frage ich.

„Ich bin Architekt“, sagt Kolja. <strong>Er hängt sich eine zerknitterte Zigarette in den Mundwinkel. Er klickt in</strong>]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 5. Juli 11</title>
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		<pubDate>Tue, 05 Jul 2011 08:57:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<strong><a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a></strong>

<strong><span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span></strong>

Jolanda ist schon in der Bibliothek, als ich komme. Ich packe meine Bücher auf den Tisch neben ihr und versuche zu lernen, aber ich kann mich nicht konzentrieren. Neben ihr sitzen und nicht reden können ist, wie in die offene Tüte Weingummi auf dem Nebentisch starren und nicht hineinlangen dürfen.

Mittags sitzen wir draußen vor der Mensa und trinken Kaffee. Jolanda hat die Beine auf die Bistrobank gelegt und blinzelt in die Sonne. „Wie geht’s deinen Männern? Sie machen dich beide nicht gerade glücklich, oder?“, sagt sie.

„Weiß nicht....Können Männer uns überhaupt glücklich machen?“, sage ich. „Sind es nicht eher die Frauen?“

Jolanda öffnet ein Auge halb wie jemand, der durch eine Jalousie linst, weil ihn ein Lärm draußen geweckt hat. „Hast du umgepolt?“

„Nein. Aber wenn ich zurück denke, war es schon immer so, dass ich die besten Gespräche mit Frauen hatte, von ihnen die schönsten Geschenke bekommen habe und ja...Frauen sind einfach interessanter. Aber es ist mir erst jetzt aufgefallen.“

„Manchmal dauert es eben länger. Wer ist es denn?, fragt Jolanda.

„Koljas Mutter.“ Ich erzähle ihr von der Begegnung. Jolanda kann nicht verstehen, wieso ich abends um acht mit dem Zug nach Müncheberg fahre, um bei einem fremden Menschen am Gartentor zu klingeln. Sie fragt, wieso ich stattdessen nicht zu Bertram und Ludwig gefahren bin.

„Intuition“, sage ich. „Bertram und Ludwig hätten mir in dieser Situation nicht helfen können. Sie sind zwar schwul, aber eben keine Frauen.“

Jolanda schaut unter einer runzligen Stirn hervor und lässt einen Laut verpuffen. Sie breitet ihr Rauchzubehör auf dem Tisch aus und dreht eine Zigarette. Sie hat kleine, feste Hände. Ihre Nägel sind grün lackiert.

„Ich liebe Männer", sage ich. "Sie gehören dazu. Irgendwie. Ich weiß nicht warum, aber es ist so. Es ist ein Geheimnis. Ohne sie würde etwas fehlen.“

„Und in wen bist du nun verliebt? In Kolja? Seine Mutter? Oder vielleicht doch in Leon?“, fragt Jolanda.

„Das ist merkwürdig: Ohne Leon könnte ich Kolja nicht lieben. Ohne Kolja wäre ich seiner Mutter nicht begegnet. Und als ich ihr gegenübersaß, habe ich plötzlich gespürt, wie sehr ich Leon liebe. Es tat mir leid, dass ich ihn an diesem Abend allein gelassen hatte. Alle gehören zusammen. Die Begegnungen greifen ineinander, verzahnen sich mit meinem Leben. Das ist doch schön, oder? Wieso sehe ich unglücklich aus?“

Jolanda schaut mich streng an. "Ach, vergiss es, so schlimm ist es nun auch wieder nicht." Wahrscheinlich ist sie zu jung, das zu verstehen. Oder sie hat entschieden, es nicht verstehen zu wollen.

„Und du?“, frage ich. „Wie läuft es mit Jakob?“

Sie bläst den Rauch aus, schaut in die Wolken. Ihr Gesicht löst sich. „Ja“, sagt sie. Und noch einmal: „Ja.“ Jolanda enthüllt ihr Gesicht selten. Wenn es geschieht, bin ich jedes Mal gerührt. Aber heute bin ich ergriffen. Sie bemerkt es, senkt den Kopf, versteckt sich hinter dem Rauch, blickt wieder auf, strahlt. Das Glück ist nur so weit weg wie ein Bistrotisch breit ist. Diese Nähe löst in mir die Angst aus, es könnte weg flattern. Ich wage kaum zu atmen. Die Sonne brennt auf unsere nackten Schultern. Der Kaffee ist ausgetrunken. Ihre Zigarette dauert vielleicht noch zwei Minuten. Zwei Minuten noch, das Glück anzuschauen.]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 26. April 11</title>
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		<pubDate>Tue, 26 Apr 2011 11:49:20 +0000</pubDate>
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		<description><![CDATA[<a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a>

<span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span>

„Diese christlichen Feiertage bedeuten uns doch nichts“, hatte Leon am Telefon gesagt. Für ihn waren es vier Tage, an denen die Garage geschlossen bleiben musste. Eine gute Gelegenheit, um sich mit Jan in den Niederlanden umzuschauen.

Am Karfreitag saß ich morgens in der Küche, las Zeitung, hörte Radio und trank Kaffee. Meine Füße auf dem Tisch wurden immer kälter, obwohl die Sonne darauf schien. Es war ein schmerzhaft...]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 14. April 11</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Apr 2011 10:04:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a>

<span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span>

Als die Sonne am letzten Wochenende den Schmutz auf den Fensterscheiben bloßlegte, leuchtete sie auch in einige staubige Windungen meines Geistes. Dort flusten Zweifel: Dass es mit dem eigenen Büro nicht klappt. Bin ich überhaupt der Typ für so was? Hatte ich nicht immer schon das Problem, zu wenig präsent zu sein, in Gesellschaften, auf Fotos, in Arbeitskollektiven? Jolandas Bild der Trümmerfrau kam mir in den Sinn. „Ein Wesen ohne Namen. Verhärmt, grau, Asche“, hatte sie gesagt. Wieso höre ich nichts von Kolja? Wartet er darauf, dass ich erneut in seine Familien-Idylle einbreche? Glaubt er, weniger schuldig zu sein, wenn ich die Initiative ergreife?

Ich fühle mich von dem knalligen Grün in den Parkanlagen verhöhnt. Ich mag meine Lippenstifte nicht mehr. Wie von Sinnen ziehe ich durch Drogerien, probiere hier und da, als könnte eine neue Farbe auf meinen winterblassen Lippen das Problem lösen. Ich finde nichts. Keine Farbe passt zu mir. Ich bin draußen. Ich bin einundvierzig Jahre alt. Es ist längst zu spät für mich.

Ich habe Leon gebeten, zu bleiben, wenigstens diese eine Woche, bis es Sommer wird und mein Herz sich beruhigt. Er sagte, er müsse sofort zu Jan nach Amsterdam. Jan hätte ein <em>Grove</em> aus Amerika bekommen.

"Du hast doch schon ein Foto gesehen", sagte ich. "Auf ein paar Tage kommt es doch nicht an."

"Fotos zählen nicht", sagte Leon.

Um nicht allein zu sein, verabredete ich mich am Mittwoch zum Arbeiten mit Jolanda in der Bibliothek. Sie paukt gerade Forensik. Ich schreibe an einer Arbeit über Gestaltungsmöglichkeiten von Räumen mit dem Ziel der Stromeinsparung.

„Die Garage“, sagte Leon am Mittwoch beim Frühstück. Er trank den Kaffee im Stehen. Er legte sich einen Schokoriegel auf sein Croissant. „Jetzt ist Hochbetrieb.“

„Das fällt dir ziemlich früh ein“, sagte ich.

„Könntest du...?“ Er trippelte nervös.

„Ich muss diese Arbeit nächste Woche abgeben und noch mindestens zweihundert Seiten zu dem Thema lesen.“

Er meinte, ich könne doch auch in der Garage lernen. So viele Kunden kämen ja doch nicht. Ich könne auf dem Hof in der Sonne sitzen. Es wäre doch alles da, was ich brauche: Kaffeemaschine, Internet, Licht.

In diesem Moment pustete ein Sturm die Staubflusen aus meinem Kopf. Ich wusste wieder ganz klar, was ich will. Ich sagte: „Nein.“

Er heulte auf. Es war das übliche. Jeder denke doch nur an seinen Arsch und ich bastele an meiner Selbstverwirklichung. Mit Jolanda würde ich doch eh nur in der Sonne sitzen und Kaffee trinken. Ich packte meine Sachen und knallte die Tür hinter mir zu.

„Das hättest du doch nun wirklich für ihn tun können“, sagte Jolanda, als wir mittags in der Mensa saßen.

„Ich kann doch nicht in dieser Garage arbeiten. Stell dir vor, du müsstest morgen in einer Garage arbeiten.“

„Stelle ich mir cool vor“, sagte Jolanda. „Dann hätte ich kein schlechtes Gewissen, wenn ich zwischendurch mal was anderes machen muss.“

In der Nacht rief Leon aus Amsterdam an. Er entschuldigte sich. Er sei nicht fair gewesen. Er sagte, er habe gesehen, dass es mir nicht gut geht und bemühe sich, so schnell wie möglich wiederzukommen. Es sei nicht so schlimm, wenn die Garage mal drei Tage geschlossen bliebe. Er fragte, ob ich gut gearbeitet hätte.

Heute und morgen sitze ich mit meinen Büchern und dem Laptop in der Garage. Bisher sind noch nicht viele Leute gekommen. Eine kaputte Lampe. Ein platter Reifen. Ein schlaffes Schaltwerk. Ich halte die Tür geschlossen, weil es so kalt ist und trinke Tee in kleinen Schlucken. Es tut mir gut, mit schmutzigen Fingernägeln zu lesen.]]></description>
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		<title>Kathrins Notiz-Blog 2. März 11</title>
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		<pubDate>Wed, 02 Mar 2011 17:09:28 +0000</pubDate>
		<dc:creator>kathrin</dc:creator>
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		<description><![CDATA[<a href="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-664" title="illu-mit-muschel1[1]" src="http://www.kathrinschrader.de/wp-content/uploads/2011/01/illu-mit-muschel11.jpg" alt="" width="539" height="128" /></a>

<span style="color: #ff99cc;">©          Illustration Liane Heinze</span>

Ich bin danach noch in dem Haus geblieben. Kolja fuhr zurück nach Berlin, zu seiner Frau.

Ich glaubte, dass Leon an meiner Stimme hört, dass etwas geschehen ist. Ich stand im Garten und blickte in einen Sternenhimmel, der so dicht und nah war, dass ich fürchtete, hineinzustürzen. Unmöglich, unter diesem Himmel zu stehen und ihm nicht von den Sternen zu erzählen. Ich ging ins Haus und schloss die Terrassentür.

Leon erkundigte sich nach der Post, nach Anrufen. Er fragte, ob ich das Paket geöffnet habe. Er erzählte von dem Fahrradhändler in der kleinen, belgischen Stadt, bei dem er schon vor einem halben Jahr so viele Dinge entdeckt hätte, und dass er wieder in dem extrem hellhörigen Hotel wohnte. Er sagte, ich müsse mir die Stadt unbedingt anschauen. Sie sei arm, aber viel lebendiger und temperamentvoller als Berlin. Und wärmer, besonders nachts. Er redete und redete. Er erzählte viel mehr als sonst. Wollte er verhindern, dass ich zu Wort kam, weil meine Stimme ihn beunruhigte? Ich würde ihn niemals im Stich lassen. Sein Kindheitshaus aus Pappe war zerstampft worden, während Kolja mir das Haus seiner Kindheit einfach so überlassen konnte, für zwei Tage, komplett, mit Kamin und Büchern und Wiese und Sternen. Es war eine große Ungerechtigkeit.

„Ich liebe dich“, sagte ich. „Wann kommst du?“ Er antwortete nicht. 

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