Berliner Notiz-Blog 29. Februar 08

Letzten Sonntag war ich in einer fremden Wohnung. Das heißt, ich war in einer Galerie. Präzise gesagt, war ich sowohl in einer Wohnung als auch in einer Galerie. In dieser Wohnung wurden für die Dauer eines Wochenendes verschiedene Kunstwerke aus der ganzen Welt ausgestellt. Sie waren in einem großen Karton geliefert worden und die Galeristen, das heißt, das Paar, das jene Wohnung bewohnt, konnte sie dann stellen, hängen oder legen, wie sie es für richtig und gut hielten.

Die Wohnung, das heißt, die Galerie, war für nur wenige Stunden geöffnet.

Offen gestanden, bin ich nicht in erster Linie wegen der Kunst dorthin gegangen. Es reizte mich, eine fremde Wohnung zu betreten.

Ich bin eine Voyeurin. So waren die Höhepunkte meines Galeriebesuches nicht die öffentlichen Kunstschnipsel, die überall in den Räumen verteilt waren, sondern: Die Urlaubsbilder des Paares, an einen Draht geklammert, der Stil ihres Wohnens, die Spuren ihres Glücks, denn offensichtlich waren sie glücklich, obwohl ich die subtilen Zeichen dessen nicht mit Dingen benennen kann, die Bücher auf dem Nachtisch, die Medaille vom Berlin-Marathon über dem Bett, ein überdimensionaler Liebesbrief in einem goldenen Rahmen, der Schreibtisch. Das echt private Leben.

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