Im Sinne krummer Gurken

Begegnungen mit Tanja Zimmermann und Holger Stark

"Welle" von Holger Stark

„Perfekte Welle“ Installation von Holger Stark in der aktuellen Ausstellung im Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke in Kühlungsborn. Im Vordergrund Tanja Zimmermann

Im Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke in Kühlungsborn zeigt Holger Stark eine Installation, eine Welle aus Holz, die über eine Treppe fließend zwei Ausstellungsräume miteinander verbindet. Eigentlich ist es ein Kasten aus rötlichen, rohen Holz, dessen Decke leicht in sich gedreht ist. Die Bretter bilden den Schwung bewegten Wassers. Es ist die erste Arbeit, die ich von Holger Stark sehe, besser gesagt erlebe, denn Installationen brauchen eben den Kontext, den Fotos schwer vermitteln können.

Die Holzwelle schmiegt sich dicht an Wand und Treppenstufen. Die Bretter sitzen wie angegossen. Und doch liegt das Ding sperrig im Raum, wie ein Fremdkörper auf den weißen Fliesen der Ausstellungshalle on the top of Ostsee, durch dessen Fensterflügel der Blick die Kühlung hinabwandert zum milchigblauen Streifen der See, wo Frachter zwischen Himmel und Wasser schweben. Continue reading

Aus der Tarnung

Jeanne-Mammen-Retrospektive  „Die Beobachterin“

in der Berlinischen Galerie

vom 6. Oktober 2017 bis 1. Januar 2018

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Jeanne Mammen. Selbstbildnis. 1929. 

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Jeanne Mammen. Sie repräsentiert. um 1928. 

Es gibt ein Foto von Jeanne Mammen, da sitzt die Künstlerin in ihrem Wohnatelier Ku-Damm 29 und hält den Stift bereit zum Zeichnen. Ihr Blick ist konzentriert auf ein Modell oder Objekt gerichtet. Zugleich schaut sie die Fotografin an, die sie aus dieser Richtung aufnimmt. So wird der Betrachter des Fotos zum Modell, das kritisch von der Malerin fixiert wird.

„Die Beobachterin“ heißt die Jeanne-Mammen-Retrospektive in der Berlinischen Galerie, noch zu sehen bis zum 15. Januar 2018. Beobachterinnen sind nicht gemütlich. Sie sind Jägerinnen, die ihre Beute nicht aus dem Auge lassen. Beobachterinnen versuchen sich zu tarnen. Sie sehen harmlos aus. Continue reading

„Alles muss in ihr System aufgenommen werden. Sonst können Sie nicht wirkliche Einfachheit erlangen.“ Gertrude Stein

Im Sommer auf Schloss Plüschow und jetzt in Torgau

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Studio fünf auf Schloss Plüschow im August 2017, als Anett Lau dort wohnte.

Ich mochte diese Klinke und den Strauß, seine zarten, grünen Blüten. In einem Foto habe ich die Klinke fokussiert, in einem anderen die Blumen. Aber dieses mit dem Fokus auf der Klinke gefällt mir besser.

Die Klinke gehört zu Studio fünf auf Schloss Plüschow, in dem die Berliner Künstlerin Anett Lau den ganzen August lang gewohnt hat. Ich durfte sie dort besuchen. Zu ihrem Studio gehörten ein Wohnraum und ein großes, helles Atelier, beide Räume mit hohen Fenstern zum drinsitzen und raus dösen. Zum Dösen hatte ich kaum Zeit. Obwohl ich wirklich gern döse. Wir haben viel geredet in dem einsamen Schloss im hügeligen Westmecklenburger Land, einen Steinwurf von der Ostsee entfernt.

Reisende am Haltepunkt Plüschow müssen dem Zugführer winken, damit er anhält. Eigentlich ist es Unsinn, von Reisenden zu sprechen. Der Bahnsteig erlaubt keinen Plural. Wer nach Plüschow kommt, kommt allein und möchte allein sein.

Einsamkeit Continue reading

artspring Pankow 2017

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Eine unfertige Arbeit im Atelier von Beate Tischer in den Kunst Etagen Pankow (KEP) beatetischer.com

Ein bisschen fühlte sich artspring Pankow wie die Offenen Ateliers in den Neunzigerjahren an, besonders im Hof und auf den Gängen der ehemaligen Schule in der Schwedter Straße, die sich die Künstler der Ateliergemeinschaft Milchhof e. V. teilen. Doch spätestens beim Blick aus den Fenstern landen wir angesichts der weiß verputzten Townhouses in der Nachbarschaft wieder im heutigen Berlin. Und ganz so viel Englisch gesprochen wurde damals wohl auch nicht.

Ein Wochenende war zu kurz für alle Ateliers. So musste ich mich entscheiden und habe letztendlich Continue reading

„Geh weg, damit du bei mir bist!“

Vorwort zum Katalog von Sabina Grzimek anlässlich ihrer Ausstellung „Amatorio“ in der Berliner Galerie Mutare vom 3. September bis 15. Oktober 2016

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„Der Mundharmonikaspieler“ & „Bewegte“ von Sabina Grzimek, Bronze, Gips, farbig, Unikate, 2013-15 

Sabina Grzimek zählt zu den bedeutendsten BildhauerInnen ihrer Generation. Sie bewegt sich in der Tradition der klassischen Moderne und erreicht in ihren Figuren, Köpfen und Zeichnungen eine meisterhaft große Einfachheit.

Ein Thema von Sabina Grzimek ist Verletzlichkeit. In ihrer Auffassung formen die Spuren von Verwundungen eine Persönlichkeit und machen ihr inneres Wesen erst sichtbar.

In der Ausstellung „Amatorio“ zeigt Grzimek Bilder, Zeichnungen und Plastiken von Paaren aus verschiedenen Schaffensperioden. Ihr Blick richtet sich auf Continue reading