LOOPS/THINGS

Eine Episode bei LAGE EGAL

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Textile Arbeit von Anja Schwörer, ohne Titel, bei LAGE EGAL in der Greifswalder Straße in Berlin. Im Vordergrund ein Teilstück des „Objekt 21“, einer Stahlkonstruktion von Klaus-Martin Treder 

Bei Lage Egal ist Eile geboten. Die Ausstellungen laufen nur drei Wochen, was für Berliner Dimensionen knapp bemessen ist. Ich meine nicht die üblichen Laufzeiten für Ausstellungen, sondern die Bedingungen in der Stadt: die Entfernungen, die auf verstopften Radwegen und Bürgersteigen absolviert werden müssen. Das Vorankommen in Berlin wird immer klaustrophobischer. Ich fühle mich mitunter wie in diesen Albträumen, in denen du auf der Stelle klebst und nicht vorwärtskommst. Gerade ist auch noch Urlaubszeit. Alles geschieht wieder einmal gleichzeitig.

Heute also, mitten in der Woche, noch schnell die Nase am Schaufenster in der Greifswalder platt gedrückt. Die Galerie ist ja nur am Wochenende geöffnet und übermorgen ist schon wieder Finissage. Glücklicherweise war der Galerist Pierre Granoux gerade da und öffnete mir.

Ja, und dann stand ich in dem schönen Raum, den ich in erster Linie wegen der textilen Arbeiten von Anja Schwörer aufgesucht hatte, und fühlte mich plötzlich nicht mehr getrieben und beengt. Diese Bilder anzuschauen war wie verstanden-werden, es war, als sei ich nach Hause gekommen und gar nicht mehr so bedeutungslos Weiterlesen

KLASSE DAMEN! im Jahr 2019

Selbstporträt von Gertrud Spitta. 1920

Gertrud Spitta. Selbstporträt. 1920. Foto © Michael Gorkow 

Ingeborg Ruthe, langjährige Feuilleton-Redakteurin der Berliner Zeitung, war die erste Journalist*in, der sofort klar war, dass in Schloss Biesdorf eine für Berlin enorm wichtige Ausstellung entstanden ist. Ihre zweiseitige Rezension weckte die Kolleg*innen. So bekam die bemerkenswerte Arbeit der Kuratorinnen Ines Doleschal, Ellen Kobe und Karin Scheel wenigstens eine angemessene Resonanz in den großen Medien.

Um öffentliche Gelder hatte sich die Ideengeberin von „Klasse Damen!“, die Bildende Künstlerin Ines Doleschal, über ein Jahr lang vergeblich bemüht. Weder der Bund noch die Stadt Berlin hielten es für notwendig, mit einer repräsentativen Ausstellung an die Öffnung der Berliner Kunstakademie für Frauen vor 100 Jahren zu erinnern. Weiterlesen

„Surditas“ von Marko Kusmuk

Marko Kusmuk "Disinhibition"
Marko Kusmuk „Surditas 1: Inhibition“. 2018. Zeichnung auf Papier.

Diese spannende Zeichnung des serbischen Künstlers Marko Kusmuk ist noch bis Ende August 2019 in der Galleri Heike Arndt DK in Berlin-Friedrichshain zu sehen. Sie ist Kusmuks Beitrag zur Gruppenausstellung FRESH LEGS.

„Disinhibition“ (Enthemmung) ist Teil einer ganzen Serie von Zeichnungen mit dem Titel „Surditas“ (gehörlos) des jungen Künstlers. Weiterlesen

Kunst ist eine Haltung

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Lukas Troberg „Drips“ 2013. Aluminium pulverbeschichtet. Gesehen am gegenwärtigen Standort der Galerie Lage Egal, auf einer „schwierigen“ Wand. (http://www.lage-egal.de) 

Wenn ich Künstler*innen im Atelier besuche, sehe ich manchmal Arbeiten, die sich mir nicht auf den ersten Blick erschließen. Erst wenn ich mit den Autor*innen ins Gespräch darüber komme, finde ich einen Zugang. Manchmal fasziniert mich die Haltung einer Künstlerin, die sich auf die Art und Weise, wie sie arbeitet auswirkt, stärker als ihr Werk. Letztendlich kann ich das aber nicht mehr voneinander trennen. Ich beginne, auch das Werk zu lieben, wenn ich im Gespräch Sensitivität und Ernsthaftigkeit spüre, und diese Unrast, Weiterlesen

Codierte Erinnerungen

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Ausschnitt aus Antje Taubert „Afrikanisches Tagebuch“ 2018. Öl auf Leinwand. Foto: © Jan Friese

Laudatio für Antje Taubert
Vernissage  „NEUE COLORATUREN“ am 20. März 2019
in der Galerie 100

Antje Taubert liebt Farbe. Sie spielt mit den Farben, sie sucht und forscht, die Palette ist ihr Labor, doch auch die Leinwand und das Papier, auf dem sie Farben komponiert, lasierend übereinanderlegt oder gegeneinander schneidet, Harmonien und Hierarchien entwickelt, kurz: auf denen sie Farbe inszeniert. Auf den großen Auftritt der Farbe verweist auch der Titel der Ausstellung „Neue Coloraturen“, sowie auf ihr Tönen und Schwingen. Antje Taubert feiert die Farbe.

Sie arbeitet am liebsten mit Öl, sie mag die Konsistenz. Sie sagt, diese entspreche ihrer langsamen Arbeitsweise. Sie liebt die Tiefe und den Glanz der Ölfarben.

Das Afrikanische Tagebuch entstand nach einer fünfwöchigen Reise der Künstlerin durch Südafrika. Die einzelnen „Blätter“ erinnern an Bilderrahmen oder Buchseiten, vielleicht auch Postkarten, Formate jedenfalls, auf denen wir Reiseerinnerungen gewöhnlich austauschen. Dennoch ist dieses Tagebuch für uns ungewohnt zu lesen. Wir sind an die täglichen Fluten beeindruckender Reiseberichte gewöhnt, die Bilder von Bergen und Meeresstränden, Architekturen, Menschenbildnisse und Tierbeobachtungen, auch Interieurs von Hotels und Bars. Je spektakulärer die Fotos und Filme, Weiterlesen