„Surditas“ von Marko Kusmuk

Marko Kusmuk "Disinhibition"
Marko Kusmuk „Surditas 1: Inhibition“. 2018. Zeichnung auf Papier.

Diese spannende Zeichnung des serbischen Künstlers Marko Kusmuk ist noch bis Ende August 2019 in der Galleri Heike Arndt DK in Berlin-Friedrichshain zu sehen. Sie ist Kusmuks Beitrag zur Gruppenausstellung FRESH LEGS.

„Disinhibition“ (Enthemmung) ist Teil einer ganzen Serie von Zeichnungen mit dem Titel „Surditas“ (gehörlos) des jungen Künstlers. Continue reading

Kunst ist eine Haltung

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Lukas Troberg „Drips“ 2013. Aluminium pulverbeschichtet. Gesehen am gegenwärtigen Standort der Galerie Lage Egal, auf einer „schwierigen“ Wand. (http://www.lage-egal.de) 

Wenn ich Künstler*innen im Atelier besuche, sehe ich manchmal Arbeiten, die sich mir nicht auf den ersten Blick erschließen. Erst wenn ich mit den Autor*innen ins Gespräch darüber komme, finde ich einen Zugang. Manchmal fasziniert mich die Haltung einer Künstlerin, die sich auf die Art und Weise, wie sie arbeitet auswirkt, stärker als ihr Werk. Letztendlich kann ich das aber nicht mehr voneinander trennen. Ich beginne, auch das Werk zu lieben, wenn ich im Gespräch Sensitivität und Ernsthaftigkeit spüre, und diese Unrast, Continue reading

Codierte Erinnerungen

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Ausschnitt aus Antje Taubert „Afrikanisches Tagebuch“ 2018. Öl auf Leinwand. Foto: © Jan Friese

Laudatio für Antje Taubert
Vernissage  „NEUE COLORATUREN“ am 20. März 2019
in der Galerie 100

Antje Taubert liebt Farbe. Sie spielt mit den Farben, sie sucht und forscht, die Palette ist ihr Labor, doch auch die Leinwand und das Papier, auf dem sie Farben komponiert, lasierend übereinanderlegt oder gegeneinander schneidet, Harmonien und Hierarchien entwickelt, kurz: auf denen sie Farbe inszeniert. Auf den großen Auftritt der Farbe verweist auch der Titel der Ausstellung „Neue Coloraturen“, sowie auf ihr Tönen und Schwingen. Antje Taubert feiert die Farbe.

Sie arbeitet am liebsten mit Öl, sie mag die Konsistenz. Sie sagt, diese entspreche ihrer langsamen Arbeitsweise. Sie liebt die Tiefe und den Glanz der Ölfarben.

Das Afrikanische Tagebuch entstand nach einer fünfwöchigen Reise der Künstlerin durch Südafrika. Die einzelnen „Blätter“ erinnern an Bilderrahmen oder Buchseiten, vielleicht auch Postkarten, Formate jedenfalls, auf denen wir Reiseerinnerungen gewöhnlich austauschen. Dennoch ist dieses Tagebuch für uns ungewohnt zu lesen. Wir sind an die täglichen Fluten beeindruckender Reiseberichte gewöhnt, die Bilder von Bergen und Meeresstränden, Architekturen, Menschenbildnisse und Tierbeobachtungen, auch Interieurs von Hotels und Bars. Je spektakulärer die Fotos und Filme, Continue reading

DESCRIPTIONIBUS

Eröffnungsrede für Eberhard Hartwig
zur Eröffnung der Ausstellung „Descriptionibus“ in der Kirche am Tempelhofer Feld am 16. November 2018

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Eberhard Hartwig „ALTKUENKEND“ 2003

Descriptionibus, dieses schöne Wort, das wie ein Zauberspruch klingt, heißt auf Deutsch: Aufzeichnungen. „Aufzeichnungen“ ist der Titel einer Reihe von Monotypien, die Eberhard Hartwig hier in der Kirche zum ersten Mal zeigt. Jede zeigt ein Bibelzitat in verschiedenen Sprachen.

Zwar hat das lateinische Wort „Descriptionibus“ diesen geheimnisvollen Zauber-Sound, doch es besitzt nicht die schöne Präzision des deutschen Begriffs, Continue reading

Im Sinne krummer Gurken

Begegnungen mit Tanja Zimmermann und Holger Stark

"Welle" von Holger Stark

„Perfekte Welle“ Installation von Holger Stark in der aktuellen Ausstellung im Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke in Kühlungsborn. Im Vordergrund Tanja Zimmermann

Im Museum Atelierhaus Rösler-Kröhnke in Kühlungsborn zeigt Holger Stark eine Installation, eine Welle aus Holz, die über eine Treppe fließend zwei Ausstellungsräume miteinander verbindet. Eigentlich ist es ein Kasten aus rötlichen, rohen Holz, dessen Decke leicht in sich gedreht ist. Die Bretter bilden den Schwung bewegten Wassers. Es ist die erste Arbeit, die ich von Holger Stark sehe, besser gesagt erlebe, denn Installationen brauchen eben den Kontext, den Fotos schwer vermitteln können.

Die Holzwelle schmiegt sich dicht an Wand und Treppenstufen. Die Bretter sitzen wie angegossen. Und doch liegt das Ding sperrig im Raum, wie ein Fremdkörper auf den weißen Fliesen der Ausstellungshalle on the top of Ostsee, durch dessen Fensterflügel der Blick die Kühlung hinabwandert zum milchigblauen Streifen der See, wo Frachter zwischen Himmel und Wasser schweben. Continue reading