Berliner Notiz-Blog 9. Februar 2009

Ich bin dafür, dass der Februar mit sofortiger Wirkung abgeschaltet wird. Ein Tag weniger ist ein halbherziger Versuch, den grauesten aller grauen Monate abzustrafen. Nie sind die Bäume so kahl wie jetzt. Die Straßen glänzen wie im Fieber. Einige Etymologen vermuten sogar einen Zusammenhang zwischen dem Wort „Februar“ und „Fieber“.
Kein Wunder, dass im Februar alle krank sind. Die einbrechende Helligkeit verursacht eine quälende Unruhe. Man glaubt, nach dem Winter wieder durchstarten zu können und Bumm! liegt man auf der Nase. Vom Krankenbett aus bemerke ich, dass die Fensterscheiben undurchsichtig geworden sind. Ich ziehe die Gardine vor und zappe durch die Berlinale. Wieder nicht dabei gewesen! Keinen Film gesehen, kein Autogramm gejagt. Das Wetter ist einfach zu mies. Der Kopf tut weh. Die Nase tropft. Ich rede mir ein, nichts verpasst zu haben. Das Fernsehen zeigt Stars, die in dünnen Kleidchen tapfer über den roten Teppich im Sony-Center eilen. Sie lächeln verfroren in die Menge.
Ich kappe die Antenne, lege mir Teebeutel auf die Augen und stelle den Wecker auf Poesie.

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