Kathrins Notiz-Blog 28. Januar 10

© Illustration Liane Heinze

Ich habe den Wandschirm hinter das Schlagzeug gestellt. Die gläsernen Fischschuppen schimmern in den Tiefen der Meere und Seen, vom Türkis der Côte d’Azur und durchscheinendem Aquamarin, dem fabulösen Goldflitter der Brandenburger Waldseen, wenn die Sonne in das Plankton scheint, bis zum Graphit der Ostsee.

„Ich wusste es.“ Leon stand in der Tür. Nichts hatte er gewusst. Er war überrascht. Er zog einen Stiefel aus, dann trat er mit dem restlichen Stiefel ins Zimmer, blieb stehen, schniefte. Er roch nach Winter, nach kaltem Metall. „Ich finde, wir sollten ihn vor das Bett stellen. Dann sehen wir ihn morgens beim Aufwachen“, sagte er. Also trugen wir den Wandschirm zwischen Bett und Fenster.

„Los, wir probieren ihn aus.“ Er riss sich den Stiefel und die Sachen vom Körper und zog mich aufs Bett. Er roch nach Schweiß. Ich hatte Gänsehaut. Er setzte sich mit dem Rücken gegen die Fischschuppen. Durch meine geschlossenen Lider sah ich das Graphitblau. Es war, als ob wir in der Ostsee trieben, ohne Halt. Die Schuppen klapperten im Wind. Die Wellen klatschten gegen uns. Es schmerzte. Es war ein süßer Schmerz. Und dann lagen wir erschöpft auf einer Sandbank und kicherten, weil es so gut war.

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