Kathrins Notiz-Blog 8. April 2011

© Illustration Liane Heinze

Love4Japan hat sich für unsere Hilfsangebote bedankt. Sie haben 800 Zimmer für japanische Flüchtlinge organisiert. Aber in Japan konnten sie nur 30 Menschen überreden, das Land zu verlassen.

Im Radio reden sie von früh bis nachts über Geld. Wie sich die Katastrophe auf die Börsenkurse auswirkt, was sie für die deutsche Wirtschaft bedeutet…insbesondere für die Autoindustrie. Alles ist gar nicht schlimm, erfuhr ich heute Morgen, denn die meisten Auto-Teile kommen mittlerweile aus China. Und China, nicht Japan, ist Deutschlands Handelspartner Nummer eins. Die chinesischen Firmen beziehen die Teile allerdings manchmal auch aus Japan, weswegen es letztendlich doch zu Lieferengpässen kommen könnte. Soweit zum Stand der Katastrophe.

Gestern las ich, dass es so gut wie keine japanischen Lebensmittel in Deutschland gibt. Der grüne Tee, den ich jeden Morgen trinke, kommt aus Japan. Er ist in Papier-Tüten gepackt, die so schön sind, dass ich es seit Jahren nicht fertig bringe, sie in den Müll zu werfen. Der Teehändler in der Danziger Straße zeigte mir einmal ein Foto des Ehepaares, die den Tee anbauen. Ein schlankes Ehepaar in den Vierzigern stand zwischen Tee-Sträuchern und lächelte auf japanische Weise in die Kamera. Jeden Morgen, während ich die Nachrichten höre, trinke ich ihren Tee. Der japanische Tee ist ein wichtiges Lebensmittel für mich. Was soll die Information, dass es in Deutschland so gut wie keine japanischen Lebensmittel gibt? Soll das heißen: He Leute, seid froh, dass kein Reaktor in Kolumbien hoch gegangen ist. Dann ginge es nämlich an unsere Kaffeereserven.

Manchmal berichten Wissenschaftler über den Stand der Verseuchung. Einer der Reporter klingt dabei so fröhlich, als beschreibe er den interessanten Verlauf eines weiteren Container-Experiments, als wäre Tschernobyl Nummer zwei gar nicht wirklich, sondern nur gespielt, als ginge es nicht um das Leben von Millionen Menschen, sondern um die Testergebnisse eines Assessment-Centers. Diese gepenstische Art des öffentlichen Schweigens ist Teil des Super-Gaus. Sie macht mir mehr Angst als die Katastrophe selbst.

Ich bete für Japan. Ich flehe meine Göttin an, den Tod nicht länger ins Meer tropfen zu lassen. Ich schlage ihr ein Geschäft zur Rettung Japans vor. Ich schwöre ihr, Kolja nie wieder zu sehen und Leon treu zu bleiben, wenn sie das Desaster endlich stoppt.

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