„Geh weg, damit du bei mir bist!“

Vorwort zum Katalog von Sabina Grzimek anlässlich ihrer Ausstellung „Amatorio“ in der Berliner Galerie Mutare vom 3. September bis 15. Oktober 2016

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„Der Mundharmonikaspieler“ & „Bewegte“ von Sabina Grzimek, Bronze, Gips, farbig, Unikate, 2013-15 

Sabina Grzimek zählt zu den bedeutendsten BildhauerInnen ihrer Generation. Sie bewegt sich in der Tradition der klassischen Moderne und erreicht in ihren Figuren, Köpfen und Zeichnungen eine meisterhaft große Einfachheit.

Ein Thema von Sabina Grzimek ist Verletzlichkeit. In ihrer Auffassung formen die Spuren von Verwundungen eine Persönlichkeit und machen ihr inneres Wesen erst sichtbar.

In der Ausstellung „Amatorio“ zeigt Grzimek Bilder, Zeichnungen und Plastiken von Paaren aus verschiedenen Schaffensperioden. Ihr Blick richtet sich auf die Dynamik zwischen den beiden Menschen. Sabina Grzimeks Paare spiegeln die vielen Facetten der Bindungen wider, vor allem deren Ambivalenzen. Selbst in der engen Umarmung des jungen Paares liegt eine Irritation. Bedrohlich wird sie in der großen Bronze „Liebespaar“ in der Form eines Gekreuzigten. Sie zeigt die Verschmelzung eines Paares, dessen beide „Teile“ soweit ineinander aufgegangen sind, dass sie kaum noch zu identifizieren sind.

Skizzenhaft sind viele ihrer Zeichnungen. Die Leichtigkeit der Linie und die hellen Aquarellfarben, mitunter durch breite, schwarze Pinselstriche gebrochen, vermitteln den Eindruck flüchtiger Eindrücke oder Ideen. Dann wieder scheint ihr Strich Gedanken und Assoziationen zu folgen, die sich im Blatt verlieren. Doch all diese wie nebenbei formulierten kleinen Arbeiten folgen präzisen Beobachtungen. Zu einigen Bildern kehrt die Künstlerin immer wieder zurück, arbeitet sie weiter aus, lässt Stimmungen und Situationen einfließen. Das ist insbesondere ihre Arbeitsweise bei den Plastiken.

Sabina Grzimeks Figuren sind das Gegenteil von statisch. Sie vibrieren. Die Emotionen können jeden Moment kippen oder wieder verborgen werden. Obwohl aus Bronze oder Gips, sind sie kaum zu halten.

Sabina Grzimek wurde 1942 in Rom geboren. Sie studierte in Berlin-Weißensee Bildhauerei und begann danach freischaffend als Bildhauerin, Grafikerin und Malerin zu arbeiten. Von 1969-1972 war sie Meisterschülerin an der Akademie der Künste Berlin. Danach setzte sie ihre freie Arbeit in Berlin und Erkner fort.  Sabina Grzimek erhielt zahlreiche Preise, u.a. 1983 den Käthe-Kollwitz-Preis und zuletzt 2011 den Brandenburgischen Kunstpreis.

Berlin, im September 2016

 

 

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