Zeichen und Wunder

Fragmente, Objekte und Installationen von

Astrid Weichelt

Kloster Chorin 20. Mai – 28. August 2017

Arbeit von Astrid Weichelt im Kloster Chorin © Kathrin Schrader

Astrid Weichelt „Maßwerk“ 3 Teile, Abformung Laienrefektorium des Klosters Chorin. 2017

Astrid Weichelt stellt in ihren Ausstellungen stets eine Verbindung zum Ort her. In ihrer aktuellen Schau „Zeichen und Wunder“ im Kloster Chorin zeigt sie unter anderen Abformungen der gotischen Fensterbögen aus dem Refektorium, ein Kruzifix und Pflanzenmotive von den Konsolen im Kreuzgang des Klosters.

Die Künstlerin ist dafür auf hohe Leitern gestiegen und hat mehrere Schichten nassen Büttenpapiers auf den Stein gelegt, trocknen lassen und dann sehr vorsichtig wieder abgenommen. Ein bisschen muss sie sich dabei wie eine Restauratorin gefühlt haben. Tatsächlich handelt es sich um eine archäologische Arbeitsweise. Sie wird „abklatschen“ genannt. Als es noch keine Fotografie gab, reproduzierten Archäologen auf diese Weise ihre Funde.

Astrid Weichelt spiegelt Fragmente von Gebäuden, uralte Symbole, Reliefs und Inschriften, aber auch ganze Skulpturen und Büsten in   weichen, äußerst fragilen, handgeschöpften Papieren. Was in Kupfer gegossen und in Stein gemeißelt war, wird plötzlich zu einer leeren Hülle. Im Weiß des Papiers sind die alten Götter und ihre Heiligtümer buchstäblich verblichen. Als stürzten sie aus dem Himmel, hängen in einer Installation die Abformungen der Köpfe von Jesus, Mendelssohn, Einstein, Kennedy, Mao Tsé-Tung und vieler anderer „großer“ Männer von der Decke. Astrid Weichelt hält sie an Angelschnüren. Die Erinnerung an sie wird leicht, ihre Sterblichkeit ergreifend. Den Gekreuzigten vervielfältigt die Künstlerin zu einem tanzenden Reigen, eine Provokation, die ihr prompt einen wütenden Kommentar im Gästebuch einbrachte. Das große gotische Fenster vor der weißen Wand ähnelt einer menschlichen Gestalt, einer in seiner Schwäche anrührenden Figur. Jahrhundertealte Geschichte wird endlich. Sie ist wie erlöst.

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Astrid Weichelt. Ausschnitt aus „Depot“. Abformungen von Büsten. 2012.

Astrid Weichelt, geboren 1958 in Freiberg in Sachsen, legte 1984 an der Hochschule Burg Giebichenstein in Halle, im Fachbereich Metallplastik ihr Diplom ab und ist seitdem als freie Künstlerin in Berlin tätig. Die Technik des Abformens entdeckte sie 1999, als sie im Berliner Tiergarten erstmalig vier Figuren mit Bütten abformte. Sie stellten die Flüsse Elbe, Oder, Rhein und Weichsel dar. Mit dieser Arbeit bewarb sie sich auf eine Ausschreibung anlässlich der BUGA in Magdeburg und wurde ausgewählt.

Schon immer hat sich die Künstlerin für preußische Geschichte und Architektur interessiert. In „Zeichen und Wunder“ widmet sie Karl Friedrich Schinkel einen ganzen Raum, denn auch das Kloster trägt die Spuren seines Wirkens. Im Schinkel-Raum befindet sich selbstverständlich eine Büste des Meisters in weißen Bütten.

Arbeit von Astrid Weichelt im Kloster Chorin © Kathrin Schrader

Astrid Weichelt „kleiner Teppich“ Detail Abformung Friedhofsgitter. 2013

http://www.astrid-weichelt.de

http://www.kloster-chorin.org/zeichen-und-wunder-0

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