Illustration © Cristóbal Schmal
Er stößt sich mit seinen zerrissenen Chucks von der Wand ab und trudelt am Seil einmal um die eigene Achse, dass die Ringel seiner bunten Wollmütze wie ein verrückt gewordener Lolli kreiseln. Jetzt schwingt er rüber zum nächsten Fenster.
Die beiden anderen über ihm sitzen in festen Gurten und putzen, was das Zeug hält. Interessiert die wohl gar nicht. Der mit der Lollimütze klatscht Seifenbrühe an die Scheibe und streift sie in fast waagerechter Lage ab. Grünes, geripptes Unterhemd und Jeans. Die Muskeln glänzen. Verflixt schwierig, ihn zu skizzieren, so schnell ist er. Jetzt richtet er sich im rechten Winkel zur Wand auf, hält einen Finger an die Mütze und grinst. Breite Wangenknochen und schwarze Augen. Ich bin die einzige, die ihm zuschaut. Niemand sonst bleibt stehen. Kommen eh nicht viele Leute vorbei und wenn, dann gucken sie, als seien sie hier falsch. Die Gegend wirkt wie ein Niemandsland. Alles ist neu: Das Hotel, das Café, die Gehwegplatten, die kleinen Bäume in ihren frischen Gittern. Ringsum Baustellen, hinter Bretterzäunen, drauf die Namen: Bikini und Upper West. Läden und Büros. Der Ort fühlt sich nackt an.
Melanie hat gesagt, dass ich mich ins Cafe setzen und was essen soll. Ich bleibe aber lieber draußen. Ich bin eher der Typ, der draußen bleibt und guckt, was abgeht. So war ich schon immer. Ich habe auch schon immer Weiterlesen






