Berliner Notiz-Blog 30. Juni 2008

Ich bin umgezogen. Während des WM-Finale gestern Nacht sortierte ich meine Bücher in die Regale. Meine Regale sind im Laufe der Jahre zu klein geworden. Die Bücher müssen jetzt in doppelten Reihen stehen. In der letzten Wohnung hatte ziemliche Unordnung geherrscht. Unordnung in meinem Leben. Chaos in meinen Büchern. Einige von ihnen hatte ich vergessen und hieß sie wie alte Bekannte in meinem neuen, kleinen Universum willkommen.
Durch das Platanendach vor dem Fenster drang der Lärm der Spiels, der Chor der Zuschauer. Ich fühlte mich erschöpft. Um Kraft zu sammeln, sprach ich mich mit den Büchern. Ich machte denen Mut, die ständig zwischen den Etagen wandern mussten und ich schimpfte, wenn die vordere Reihe immer wieder umkippte.
Ich sagte mir die Namen laut auf, während ich sie ins Alphabet stellte – Aitmatow, Auster, Brett, Cocteau, Duras, Hein und Heym, Gavalda, die Manns, Marai, Nabokov – ich glich dem Sportreporter, der die Namen der Spieler nennt, die gerade am Ball sind – Salinger, Saint-Exupery, Schwarzer, Tschechow, Woolf, Wander, Yoshimoto, Zeh und Zinner – meine geliebte Nationalmannschaft!

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