INTRANSIT

Christine Düwel in der Toscana-Halle des ECC-Kreativstadt Weißensee 

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Crossing – Installation aus bemalten Papierbahnen, Christine Düwel, 2017

Am Beginn der Ausstellung „Intransit“ steht ein Wegweiser, der programmatisch verstanden werden kann. Eine Reihe leerer Holzschilder weist zugleich in zwei Richtungen. Die Zeichnerin Christine Düwel liebt die Provokation mit solcherart Nonsens. Sie wirft die Frage auf, ob im Nichtbegreifbaren, scheinbar Unsinnigen nicht das eigentlich Bedeutende geschieht. Was geht in unserem Kopf vor, wenn uns niemand sagt, in welche Richtung wir gehen müssen? Was empfinden wir vor einem Gemälde, in dem wir keine Botschaft sehen? Natürlich ist das nicht neu. John Cage lässt den Pianisten vier Minuten und 33 Sekunden in Stille vor einem Klavier sitzen. Er komponierte 4’33 im Jahr 1952. Aber das Spiel mit der Irritation ist noch immer eine Herausforderung. Apropos: Musik. Sie findet sich immer wieder bei Christine Düwel. Die Künstlerin sucht eine Bildsprache für das Unsichtbare und die Stille, aber auch für akustischen Schwingungen. Notenpapiere und Notenlinien tauchen fragmentarisch, zeichenhaft, manchmal übermalt im Untergrund auf.

Für „Intransit“ hat sie die Toscana-Halle im European Creative Center mit zwei Reihen bodenlanger Papierbahnen gekreuzt, auf denen in blauer Farbe Linien gekritzelt, gekratzt, getropft und geschlagen sind. Die Bahnen scheinen den Raum auszudehnen, neue Perspektiven zu eröffnen. Sie korrespondieren gleichzeitig mit der Umgebung, verweisen auf die Unebenheiten und Abdrücke in dem hellen Zementboden. Die vergitterten Fenster, hinter denen unscharf Pflanzen ranken und die verschiedenfarbigen Rohren und Leitungen, die durch den Raum führen, gewinnen eine andere Bedeutung. Der Wind spielt mit den Bahnen. Sie schaben leise über den Boden. Da ist sie, die Musik.

Christine Düwel hat in der Meisterklasse von Alfred Hrdlička an der Hochschule für angewandte Kunst in Wien studiert. Vorbilder sind neben ihrem Lehrer Eduardo Chilida, Jenny Holzer, Hanne Darboven und Cy Twombly. Auch Beuys hat sie wiederentdeckt, nachdem sie ihn schon einmal in ihrer „künstlerischen Pubertät“ vor dem Studium verehrte. „Intransit“ zeigt mehrere großformatige Zeichnungen von Christine Düwel. Ihre hohe Begabung zeigt sich jedoch vor allem in den kleineren Arbeiten.

Düwel erwarb einen Magistra Artium in Philosophie und Kunstgeschichte an der Humboldt-Universität Berlin. Seit 1995 ist sie freiberuflich tätig.

Zuletzt stellte sie 2016 in den Gruppenausstellungen „red lips“ und „scharfes Stück, bittersüss“ in der kommunalen Galerie Alte Schule in Berlin aus, sowie in der Galerie Kunstflügel der GEDOK Brandenburg in Rangsdorf bei Berlin. Dort bestritt sie auch 2015 mit Anne Françoise Cart die Ausstellung „Klangspuren und Wegmarken“. 2014 war sie an der Kunstauktion des neunerHauses des Museums für angewandte Kunst Wien gelistet.

http://www.atelier-duewel.de

„Intransit“ ist noch am 3. 4. und 5. Juni 2017 jeweils von 15-18 Uhr in Weißensee zu sehen. Ausgewählte Arbeiten zeigt Christine Düwel in ihrem Atelier in der Hosemannstraße 8, 10409 Berlin am artspring-Wochenende Pankow am 17./18. Juni.

http://www.artspring.berlin

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Christine Düwel in ihrer Ausstellung „Intransit“ in der Toscana-Halle des ECC Weißensee

http://www.ecc-network.de

 

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Spiel der Gezeiten

 

 

 

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