Was ist Mühle, was Kunst?

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Die Grenzen fließen. Schließlich war das Mühlenhandwerk eine Kunst, wie wir an dem Gebäude, den alten Handwerkzeugen und Mechaniken der Wassermühle sehen können.

Zum Träumen schön ist das Getreide in der Bodenvase und in der Videoinstallation von Karl Böttcher. Hart war der Alltag in der Mühle, teuer das Brot. Sie wurde von Zisterzienser-Mönchen betrieben, die Mönchmühle im Mühlenbecker Land. Heute klippern und klappern Ehrenamtliche am Bach, der nicht gerade rauscht, aber kleckert und machen, dass der Elevator wieder rumpelt, die Dielen knarren und Geister ein- und ausfliegen können, für das Leben und die Kunst.

Zehn Künstler haben dem Fachwerk-Gehäuse nachgespürt und zeigen nun Arbeiten, die sich um die Mühle und das Getreide drehen und alle die anderen Dinge um die Mühle herum, wo jederzeit alles geschehen kann.

Noch bis zum 3. Oktober 2016 jeden Sonntag von 14-17 Uhr ist die Ausstellung „Ma(h)lwerke“ in der Mönchmühle geöffnet.

Die beteiligten Künstler sind Viola Bendzko, Karl Böttcher, Andrea Brabetz, Gerd Breidenstein, Burghild Eichheim, Gertraude Kremers, Johannes Lacher, Marita Liiten, Gabriela Wüsten-Liederwald und Guiliana Del Zanna

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Sommerlang

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Gisela Eichardt „Zwilling, allein“, Holzrelief, 2015 / www.giselaeichardt.de

G E G E N Ü B E R

Eine Ausstellung von Linde Bischoff und Gisela Eichardt
Laudatio am 24. Januar 2016 in der Gedok-Galerie „Kunstflügel“
in Rangsdorf

Linde Bischoff und Gisela Eichardt, die beiden Künstlerinnen, die heute hier ihre Werke zeigen, haben sich vor zirka zwei Jahren bei den Offenen Ateliers in Weißensee kennengelernt, genauer gesagt, im Atelier von Linde Bischoff.

Und nun gehen sie das Wagnis ein, die von ihnen geschaffenen Köpfe und Figuren auf ziemlich engem Raum einander Weiterlesen

for the sky not to fall

Ein Abend im Europäischen Zentrum der Künste Dresden

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Festspielhaus Hellerau in Dresden

http://www.hellerau.org

Derzeit läuft in Hellerau das Festival Brasilianische Alternativen. Heute erlebte ich dort eine Choreografie von Lia Rodrigues, eine der bedeutendsten brasilianischen Choreografinnen.

Die zehn Tänzer, Männer und Frauen, setzten sich nackt und ohne die schützende Grenze eines Bühnenraumes den Besuchern aus. Sie bahnten sich Wege durch uns, das Publikum, bekleidete und parfümierte Großstädter. Sie suchten unsere Blicke, streiften unsere Haut, hinterließen Spuren darauf aus Kaffee und Gewürzen, braun und rot. Sie robbten, krochen, flatterten zwischen uns hindurch, ihre Wege bahnend. Später sahen wir ihrem Ritual zu. Sie tanzten wie in Trance, verrückt und glücklich. Den Rhythmus erzeugten sie kraftvoll mit den Füßen. Das war die einzige Musik, die an diesem Abend zu hören war.

„Wir tanzen für die, die nicht tanzen können“, sagt Lia Rodrigues über ihre Choreografie. Wer ist das? Die Trauernden, denen die Glieder schwer geworden sind?  Andere, deren Willen ihre Glieder nicht folgen können? Sind es die Gefangenen, denen mit Erschießung gedroht wird, falls sie zu tanzen wagen? Falls sie aufstehen? Denn so beginnt doch jeder Tanz. Auf den eigenen Füßen.

Am Ende der Performance lasen die Künstler ein Statement zur aktuellen Situation in Brasilien. Sie protestierten gegen den Putsch gegen Dilma Rousseff. Es sei ein Schlag gegen die mühsam errungene Demokratie in Brasilien. Nach dem Putsch seien verschiedene Ministerien geschlossen worden, u.a. das Ministerium für die Gleichstellung der Frau, das Ministerium für die Angelegenheiten indigener Völker und das Energie-Ministerium. Für diese also haben sie getanzt: Für die Frauen, für die Indigenen, für die Lebendigkeit, die von den Despoten gefürchtet wird.

Das „Projeto Brasil“ kommt auch nach Berlin, ins HAU, vom 7.-19. Juni. Geht unbedingt hin! Das Hau hat bereits eine kleine Zeitschrift zum „Projeto Brasil“ gedruckt mit interessanten Aufsätzen zur Situation in Brasilien. Der Titel der Tanzperformance „For the sky not to fall“ wurde umgewandelt in „the sky is already falling“.

Es gibt Hoffnung. Eine ist das Festspielhaus Hellerau und sein Intendant Dieter Jaenicke. Er lebte selbst einige Jahre in Brasilien und übersetzte auf dem kleinen anschließenden Empfang alle Reden. Im Publikum waren die Intendanten der anderen Bühnen, zu denen das „Projeto Brasil“ ebenfalls reisen wird, unter ihnen Amelie Deuflhard, die  viele Jahre die Sophiensäle geführt hat und jetzt das Hamburger Theater Kampnagel leitet. Es gab brasilianisches Gebäck, gesponsert vom Kulturministerium der Stadt. Ein Feueralarm beendete die Feier abrupt. Es hieß, in der Küche sei ein Brand ausgebrochen. Vielleicht hat der Koch auch nur eine Zigarette geraucht. Wir mussten das Haus verlassen.

„Die Sehnsucht vor allem“

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Skulpturen von Sabina Grzimek in der aktuellen Ausstellung in Sepp Maiers Zweiraumwohnung

http://www.seppmaiers2raumwohnung.de/

A U G E N B R Ü C K E N
Eine Ausstellung von Antje Neppach und Sabina Grzimek
Laudatio am 17. März 215 in der Galerie im Rathaus Lichtenberg

Der Titel der Ausstellung irritiert. Weil das Wort Augenbrücken einerseits ein flüchtiges Phänomen assoziiert, das des Augenblicks, diesem aber eine feste bauliche Struktur zuordnet. Letztendlich beschreibt das Wort, worum es in dieser Ausstellung geht: Das unsichtbar Flüchtige einzufangen, festzuhalten und zu zeigen.

Wenn wir einander anschauen, entsteht eine Brücke. Manchmal zerfällt sie a u g e n b l i c k l i c h. Aber es geschieht auch, dass wir uns auf die entstandene Brücke wagen, mit ersten unsicheren Schritten. Trägt sie? Aus der Begegnung entsteht möglicherweise Weiterlesen

Völlig hingerissen

Wir haben alles, wir brauchen nichts, das Richtige zu schenken ist ohnehin ein kompliziertes Ding. Sind Weihnachtsgeschenke folglich sinnlos? Niemals!
Eleonore Roedel.Katze

Illustration © Eléonore Roedel

Zum Geburtstag habe ich eine dieser Manga-Katzen aus Plastik geschenkt bekommen, die ständig winken. Man sieht sie häufig in Schaufenstern von Asia-Shops. Ich war irritiert, als meine Freundin mir die Katze überreichte. Das konnte eigentlich nur ironisch gemeint sein. Am nächsten Tag trug ich die rote Katze in der Wohnung umher, auf der Suche nach einem Platz, der ausreichend respektvoll ist, an dem sie aber nicht stören würde. Schließlich stellte ich sie im Bad in die weiß geflieste, in die Wand eingelassene Ablage für Klopapierrollen. Ich schaute der Katze eine Weile beim Winken zu und dachte über meine Freundin nach.

Wir hatten uns vor einigen Jahren in der Warteschlange vor einem Theater kennengelernt. Das heißt, es war gar kein Theater gewesen, sondern ein verlassenes Stadtbad, in dem „Das Gastmahl“ von Platon aufgeführt wurde. Weiterlesen